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Spiritualität

«Pantomime macht das Unsichtbare sichtbar»

Gott könne man mit Worten nicht begreifen – die Gefühle im Umgang mit dem Allmächtigen hingegen schon. Darin sieht der Pantomime Damir Dantes eine seiner Aufgaben.

Der ehemalige Flüchtling aus Bosnien wuchs als Kommunist auf, ist heute reformiert und tritt als Pantomime in Kirchen auf. Er kennt die Bibel besser als mancher Reformierte. Dabei hatte er vor seinem 18. Lebensjahr noch nie eine in den Händen gehalten. 

Das hat sich geändert. In Jugoslawien war Religion kein Thema. Das wurde sie erst nach seiner dramatischen Flucht 1993 aus dem Krieg. Freunde und Familienmitglieder von ihm sind im Krieg gefallen. 

Heute tritt er seit Jahren immer wieder in Kirchen und als Begleitung bei Gottesdiensten auf. «Die reformierte Kirche lebt durch das Wort und die Schrift, sie spricht unseren Intellekt an und fordert uns auf nachzudenken. Das kann anstrengend sein. Als Künstler spreche ich die Gefühlsebene der Menschen an», sagt der 44-jährige Künstler. Dazu setzt er seinen ganzen Körper ein. Körpertechnik allein sei allerdings leer. Seine Aufgabe sieht er darin, die Figuren, die er darstellt, zu beseelen. 

Gelernt bei Marcel Marceau

Damir Dantes begann bereits mit acht Jahren mit dem Tanz. Von 1992 bis 2004 lernte Dantes die Kunst der Pantomime an internationalen Häusern. Er lernte von Marcel Marceau und Peter Makal, spielte mit Theaterdiva Maria Becker. Als Dozent am Theaterpä-dagogischen Zentrum in Heidelberg und Zürich unterrichtet er Pantomime.

Plötzlich stellt er eine Frage: Ob ich mir den ungläubigen Blick des Apostels Thomas vorstellen könne, als ihm Maria Magdalena sagt, dass Jesus auferstanden sei? Dantes steht plötzlich auf und ist jetzt Thomas. Was seine Gesten und sein Gesichtsausdruck sagen, ist eindeutig: «Völlig unmöglich! Frauengeschwätz!» 

Erst als er seinen Finger in die Wunden von Jesus legt, glaubt er an das Unvorstellbare, die Auferstehung. «Diesen Augenblick kann man nicht mit Worten beschreiben, man muss ihn vor Augen führen. Erst dann wird er begreifbar, bleibt den Zuschauern in Erinnerung», weiss Dantes. 

Das gelte auch für Jesus, der übers Wasser ging. Das übersteige unsere Vorstellungskraft, man  es müsse gesehen haben, um es glauben zu können, ist der Künstler überzeugt. Die Gegensätze Vernunft – Gefühle aufeinanderprallen zu lassen, sind für den Pantomimen interessant.

Eine Aufgabe, der er sich vorsichtig genähert habe, sei die Figur von Jesus Christus. Dantes war unsicher, ob er sich dies zutrauen könne. Als Künstler sei er ein einfacher Mensch und könne oder wolle keine Wunder vollbringen. So kam er zum Schluss, dass für ihn als Pantomime die Reaktionen der Menschen auf Jesus viel interes-santer seien als Jesus selbst. 

Damit ihm die Darstellung der Menschen glaubwürdig gelingt, muss er einerseits topfit sein, andererseits sich intensiv mit der Schrift auseinandersetzen. «Der Körper ist mein Kapital, ich trage ihm Sorge, indem ich Sport treibe und gesund esse.»

25.01.18 |Philippe Welti