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Religionen

Frauen als Friedens-Strateginnen

Wie kann man verhindern, dass Junge sich radikalisieren? Die Sozialwissenschaftlerin Edit Schlaffer nimmt die Mütter in die Pflicht. Der Imam Mustafa Memeti fordert von seinen Berufskollegen «mehr Selbstkritik». Beide traten am Montag an der Tagung «Tschüss, ich geh in den #Krieg» zum Thema «religiöser Extremismus» auf.

Immer wieder machen radikalisierte Jugendliche, die auch aus der Schweiz in den Jihad ziehen, Schlagzeilen. Am Montag beschäftigte sich eine Tagung von Mission 21 mit dem Phänomen. Rund 80 Teilnehmende setzten sich mit der Frage auseinander, was gegen religiösen Fanatismus hilft. Drei Fachleute zeigten verschiedene Ansätze für die Präventionsarbeit auf: Die Erziehungswissenschaftlerin Miryam Eser Davolio von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, der Berner Imam und Gefängnisseelsorger Mustafa Memeti und die Sozialwissenschaftlerin Edit Schlaffer, Gründerin von «Frauen ohne Grenzen».

Zuwendung als «Geheimwaffe»
Um Konflikte zu lösen, die durch Extremismus entstehen, braucht es die Frauen, lautet die These von Edit Schlaffer. «Terror und Kriege laufen nach dem patriarchalen Muster, Zuschlagen und Rächen. Was für Frauen in diesem Szenario meistens übrig bleibt: Versöhnungsarbeit und Wiederaufbau», so Schlaffer. Seit 2008 betreibt ihre Organisation «Frauen ohne Grenzen» die erste globale weibliche Anti-Radikalisierungsplattform «Sisters Against Violent Extremism». Diese hat in von Terror betroffenen Ländern wie Nigeria oder Tadschikistan Mütterschulen aufgebaut. Sie unterstützen Familien, die Warnsignale für eine Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und ihre Kinder vor dem Absturz zu bewahren. Als «Geheimwaffe» der Prävention sieht Schlaffer die Zuwendung. Es sei ganz wichtig, dass die Mütter lernten, ihren Kindern mit Geduld zu begegnen und zuzuhören.

Radikale Konvertiten
Die Zürcher Erziehungswissenschaftlerin Miryam Eser Davolio untersuchte die religiöse Radikalisierung in der Schweiz. Ihre Studie bietet überraschende Fakten. Die Motive von Jihad-Kämfpern, die aus der Schweiz in die Kriegsgebiete reisten, bieten kein eindeutiges Bild. Es sei schwierig, ihre Motive zu erfassen. Es habe sich aber gezeigt, dass junge Menschen, die zum islamischen Glauben wechselten, häufiger radikal wurden als ursprüngliche Muslime. Die Konvertiten wiederum stammten häufiger aus nichtreligiösen Familien. Sind Kinder aus religiösen Familien weniger gefährdet? Ein Schluss, den Miryam Eser Davolio als Frage in den Raum stellte.

Religiöse Vorbilder fehlen
Dass religiöse Bildung bei der Radikalisierung von jungen Muslimen eine Rolle spielt, glaubt auch Imam Mustafa Memeti. Die muslimischen Jugendlichen teilt er in drei Gruppierungen ein: liberale und konservative Muslime und solche, die aus areligiösen Familien stammen. Insbesondere der dritten Gruppe fehle es an religiösen Vorbildern. «Sie haben nie gelernt, wie sie den Glauben und den Alltag miteinander verbinden können», sagt Memeti. Oftmals seien gerade Kinder, die bewusst ohne religiöse Bildung aufwachsen, später anfällig für Sekten und Verschwörungstheorien. Viele Muslime in der Schweiz hätten nicht genügend Kenntnisse über ihre Religion. Deshalb werde heute der Bedarf an theologisch ausgebildeten Beratern immer grösser.
Die islamischen Geistlichen müssten dazu beitragen, Parallelgesellschaften zu verhindern, und ihre geistliche Autorität dazu benutzen, Brücken zu anderen Religionen zu bauen, etwa bei gemischtreligiösen Heiraten, betonte Memeti. Von seinen Berufskollegen fordert er «mehr Selbstkritik». In der Schweiz gebe es 300 Imame, die selten öffentlich aufträten.

Kim, pd / Kirchenbote / 1. März 2016


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