

Lehrpersonen und Religionsvertreter luden Christen, Juden und Muslime zum ersten öffentlichen Gesprächsabend im Zelt Abrahams. Das Thema: Schule und Religion.
RELIGION • Eine Lehrerin mit Kopftuch? Eine Weihnachtsfeier im Schulhaus? Ramadan im Schullager? Kein Problem für die Religionsvertreter im Zelt Abrahams, solange das Kopftuch nicht politisches Symbol ist, sondern aus persönlicher Überzeugung getragen wird. Solange der jüdische Schüler nicht dazu gedrängt wird, im Krippenspiel mitzuwirken, und solange das Einhalten von Fastenregeln in den Lagerbetrieb integriert werden kann. Denn, so Matthias Mittelbach, «die Schule ist kein Ort, wo man anderen seine eigene Weltanschauung aufdrängt». Mittelbach ist christlicher Religionslehrer und Lehrbeauftragter für Religionspädagogik. Zusammen mit der jüdischen Musikschullehrerin Susanne Eichin und der Muslimin Kadriye Koca, Lehrerin an christlich-muslimischen Schulprojekten, diskutierte er über Schule und Religion. Wenn es Probleme gibt, sei es wichtig, dass die Lehrpersonen mit den Familien das Gespräch suchen und Lösungen finden, mit denen alle zufrieden sein können, so die Erfahrung der Anwesenden.
Das Zelt Abrahams ist ein Projekt, das gleichberechtigt von Basler Muslimen, den Kirchen beider Basel und der Israelitischen Gemeinde Basel gestaltet wird. Im Gespräch über den Umgang mit christlichen und andersgläubigen Kindern an unseren Schulen waren sich alle Teilnehmenden einig, dass die Lehrerinnen und Lehrer sich ihrer Verantwortung bewusst sein müssen und keine religiösen Gefühle verletzen dürfen. Doch sie sind es gewohnt, respektvoll und partnerschaftlich miteinander umzugehen. Dass es im schulischen Alltag aber weiterhin oft am Verständnis fehlt, wissen auch sie. Das beste Mittel gegen Missverständnisse und Vereinnahmungen sei die Erziehung der Kinder zur Religionskompetenz. Das heisst auch, dass man sich zu seiner Religion bekennt und darauf besteht, anders sein zu dürfen, «gleichberechtigt, ohne Angst, verschieden zu sein», wie Nico Rubeli, einer der Projektleiter, es ausdrückte. Der Pfarrer moderierte das Gespräch mit seiner jüdischen Kollegin Anat Weill und dem Muslim Muhammad M. Hanel.
Noch viel Informationsbedarf
Die grundsätzliche Frage, ob Religion überhaupt in die Schule gehört, wurde am Ende von einem Zuhörer eingebracht. Er gab zu bedenken, dass jeweils die Mehrheitsreligion dominiere. Die Projektverantwortlichen und ihre Gäste im Zelt Abrahams setzen voraus, dass sowohl das Lehren und Lernen über Religion und Religionen wie auch der konfessionelle Religionsunterricht an der Schule ihre Berechtigung haben. Gleichzeitig räumten sie aber ein, dass auf allen Seiten noch viel Informationsbedarf bestehe, damit in Zukunft Verletzungen und Übergriffe im Bereich des Glaubens vermieden werden können.
Weitere Veranstaltungen im Zelt Abrahams:
«Spitalaufenthalt Andersgläubiger», Donnerstag, 8. April, 18.30 Uhr, Kantonsspital Liestal, Fortbildungsraum, Feldsägeweg 2
«Seelsorge im Gefängnis», Dienstag, 15. April, 18.30 Uhr, Mittenza, Hauptstrasse 4, Muttenz
Karin Müller