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Leben & Glauben

«Das Nüchterne gefällt mir»

Buddhistisch-christliche Weihnachten: Roman Cuel war 13 Jahre Sigrist an der reformierten Kirche Riehen. Seine Frau Ampron, mit der er 27 Jahre verheiratet ist, ist Buddhistin. Weihnachten ist für Cuels ein Familienfest.

Roman: Wir feiern in der Regel am 24. Dezember in der Familie, mit unserer Tochter und ihrem Freund, und meiner Mama, als sie noch lebte. Es muss nicht immer ein Fondue Bourguignonne sein. Meine Frau kocht gerne mal ein thailändisches Gericht. Sie kocht ausgezeichnet Fisch. Letztes Jahr hatten wir keinen Tannenbaum.

Ampron: Als unsere Tochter dies gesehen hat, sagte sie, das geht nicht, du musst einen Baum kaufen. Weihnachten ist für uns ein Familienfest. Anders als an Neujahr, wo wir viel Besuch haben.

Roman: Am Heiligen Abend besuche ich meist noch einen Gottesdienst in Riehen oder in der Pauluskirche. Da gehe ich alleine hin.

Ampron: Weihnachten hat für mich nicht diese grosse Bedeutung. Trotzdem freue ich mich, wenn die Stadt und die Häuser mit Lichtern geschmückt sind. Auch in Thailand hat man in den letzten Jahren angefangen, in der Weihnachtszeit Lichter aufzuhängen. Bei den Reformierten gefällt mir das Nüchterne. Wie im Buddhismus kann man in der Kirche zu Ruhe zu kommen. (Zeigt auf den Schrank, wo etwas versteckt ein kleiner Buddha steht.) Davor bete ich und denke darüber nach, was gut oder schlecht war.

Roman: Meine Frau besucht regelmässig den buddhistischen Tempel in Gretzenbach. Meist an einem grossen Fest. Manchmal begleite ich sie. Eine solche buddhistische Zeremonie ist eindrücklich. Alle tragen ihre schönen, traditionellen Kleider und es riecht nach gutem Essen.

Ampron: Jeder bringt Speisen mit, die wir dann teilen. Aber zuerst essen die Mönche, dann anschliessend wir.

Roman: Reichen die Frauen den Mönchen die Schüsseln, dürfen sie diese nicht berühren. Thailänder nehmen den Buddhismus ernst. Eröffnen Thailänder ein Geschäft, so laden sie drei Mönche ein, die beten und das Geschäft segnen. Auch die Zeremonien an den Hochzeiten und Beerdigungen sind eindrücklich. Man spürt, dass sie es ehrlich meinen. Da ist nichts geheuchelt. Als ich Sigrist war, war Weihnachten etwas Besonderes. All die Veranstaltungen! Das war eine tolle Zeit. Meine Frau arbeitete im Reinigungsdienst. Oft sassen wir nach einem Anlass zusammen und feierten weiter. Oder wir gingen ins Pfarrhaus auf ein Glas Wein.

Ampron: Ja, das war schön. Fast wie in einer Familie.

Tilmann Zuber, 22.11.16