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Leben & Glauben

«Freue dich, oh Menschheit»

Muslimisch-christliche Weihnachten: Die vierköpfige Familie Buff-Kazmi aus Gächlingen im Kanton Schaffhausen feiert Weihnachten auf traditionelle Weise im Bewusstsein, dass Christus für alle da ist. Bushra Buff kommt aus Pakistan und ist Muslima. Thomas Buff ist Schaffhauser und entstammt einer Pfarrersfamilie.

Bushra: Weihnachten ist ein Teil der hiesigen Kultur. Ob Jesus nun wirklich im Winter geboren ist, spielt für mich aber keine Rolle.

Thomas: Für mich ist Weihnachten das schönste christliche Fest, denn wir feiern die Geburt Jesu. Zugleich ist es eine wunderbare Erinnerung an meine Kindheit, wo Weihnachten in der Familie gefeiert wurde.

Bushra: Ob ich alleine Weihnachten feiern würde, weiss ich nicht. Ich muss dazu aber erzählen, dass ich schon als Kind in Pakistan mit unsern christlichen Freunden Weihnachten gefeiert habe. Es ist also für mich recht selbstverständlich.

Thomas: Für mich ist es selbstverständlich, das Fest zu feiern. Früher mit den Eltern, jetzt mit der eigenen Familie. Ich würde es auch alleine tun. Wir feiern ganz traditionell Weihnachten. In der Adventszeit werden Guetzli gebacken . . .

Bushra: Das macht Thomas, er kann das besser. Ich putze hinterher die Küche. (lacht)

Thomas: Natürlich haben wir einen Christbaum, den die Kinder schmücken.

Bushra: Wir singen Weihnachtslieder.

Thomas: Die traditionellen. Zum Beispiel «Oh du fröhliche». (Aviva singt das Lied)

Bushra: Ja, am Schluss singen wir nicht «Freue dich oh Christenheit» sondern: «Freue dich oh Menschheit». Schliesslich ist Christus für alle Menschen da.

Thomas: Und Geschenke gibts auch. – An Heilig-abend feiern wir mit unserer eigenen -Familie, an einem der folgenden Tage mit der weiteren Verwandtschaft.

Bushra: Mit Weihnachten will ich den Kindern Respekt vor anderen Glaubensrichtungen nahebringen und dass man von Christus vieles lernen kann. Es soll ein Platz im Herzen entstehen, wo Friede leben kann.

Thomas: Für die Kinder soll es ein freudiges Fest der Liebe, Geborgenheit und des Friedens sein.

Bushra: Was viele nicht wissen: Die Geburt Jesus nimmt im Koran eine bedeutende Stellung ein. Maria ist hier sehr wichtig. Joseph kommt nicht vor. Gott, der die Natur geschaffen hat, kann als Einziger gegen ihre Gesetze handeln. Im Koran ist Jesus der einzige der Propheten, der als Baby gesprochen hatte, um die Unschuld seiner Mutter Maria zu bezeugen. Maria soll das Geheimnis bewahren und schweigen.

Thomas: Für mich ist Jesus zur Vergebung unserer Sünden auf die Welt gekommen. Aber wenn ich bete, dann zu Gott und nicht zu Jesus.

Adriana Schneider, 22.11.2016