Logo
Gesellschaft

Alle Jahre wieder

Letztes Jahr haben Schweizerinnen und Schweizer so viel gespendet wie noch nie: 1,8 Milliarden Franken. Wie sieht es dieses Jahr aus? Und wieso wird gerade in der Adventszeit so viel gespendet?

In der Vorweihnachtszeit sind Schweizerinnen und Schweizer in besonderer Geberlaune. Kein Zufall also, dass Hilfswerke und Organisationen im November und Dezember Spendenmailings verschicken, Aktionen wie «Jeder Rappen zählt» stattfinden oder die Heilsarmee mit der Topfkollekte in den Städten unterwegs ist.

Bei Terre des hommes machten die Spenden der Monate Oktober, November und Dezember letztes Jahr ein Drittel der gesamten öffentlichen Spenden aus. Wie die Bilanz dieses Jahr ausfallen wird, konnte die Medienbeauftragte Ivana Goretta noch nicht sagen. «Diesen Frühling ist uns weniger zugeflossen als vor einem Jahr.» Auch das Heks, das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz, hat bis Juni 2016 einen Rückgang der Spenden um acht Prozent verzeichnet, rechnet aber für die zweite Jahreshälfte mit einer positiven Entwicklung.

Spendenrekord
Letztes Jahr spendeten Schweizerinnen und Schweizer so viel wie noch nie an Hilfswerke: 1, 8 Milliarden Franken – das waren über 100 Millionen mehr als im Jahr 2014. Für die Spendenstatistik 2016 gibt es noch keine Zahlen. Martina Ziegerer, Geschäftsführerin der Stiftung Zewo, beobachtet aber, dass die Spendenbereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor gross sei.

Über die letzten Jahre ist schweizweit nicht nur mehr gespendet worden; das Spendenverhalten hat sich über die letzten Jahre auch gewandelt. Das beobachtet Ivana Goretta von Terre des hommes. «Man bezahlt nicht mehr nur für ein Hilfswerk, sondern teilt einen Geldbetrag auf mehrere Hilfswerke auf.» Zudem seien die regelmässigen Spenden an das gleiche Hilfswerk rückläufig. «Spender spenden heute mehr projektspezifisch. Das heisst, will man für Syrien spenden, sucht man sich eine entsprechende Organisation aus», sagt Goretta. Auch Olivier Schmid, Medienbeauftragter bei Heks, beobachtet diese Tendenz: «Wir haben immer mehr zweckgebundene Spenden.»

Emtional geleitet
«Spenden laufen zu achtzig Prozent über den Bauch», findet Roland Jeanneret, Journalist, Buchautor und ehemalige Stimme der Glückskette. «Und im Advent sind Gefühle präsenter, deshalb werde auch mehr gespendet.» Es seien aber verschiedene Faktoren, die zu diesem vorweihnächtlichen Verhalten führen: «Man hat mit dem im November ausbezahlten 13. Monatslohn mehr Geld zur Verfügung. Oder im Kaufrausch der Adventszeit kommt ein schlechtes Gewissen auf; man findet, dass man auch etwas für Menschen tun könnte, denen es schlechter geht», sagt Jeanneret.

Andere würden aber auch aus Dankbarkeit spenden. «Es ist die Zeit des Jahres, in der man anderen Menschen danke sagen kann», findet Jeanneret. Er selber lege dem Herrn, der am Sonntagmorgen Zeitungen austrägt, jeweils in der Weihnachtszeit einen Geldschein in den Briefkasten. «Ich will ihm für seine Arbeit Merci sagen.»

Hingegen habe die Jahreszeit bei den Spenden für Naturkatastrophen keinen Einfluss. «Die laufen punktuell», weiss Jeanneret aus Erfahrung. Während bei Spendenaufrufe für die Hilfe bei Naturkatastrophen – wie damals beim Tsunami oder dem Erdbeben in Nepal – grosse Beiträge zusammenkämen, laufe die Geldsammlung für Kriege eher schlecht: «Für von Menschen verursachte Katastrophen wird immer weniger gespendet», sagt Jeanneret.

Nicola Mohler / reformiert.info / 20. Dezember 2016

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von«reformiert.»,«Interkantonaler Kirchenbote» und«ref.ch».