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Gesellschaft

«Sich aussprechen schafft Ordnung»

Schwestern Dorothea und Schwestern Mechthild vom «Haus der Stille» in Gelterkinden erzählen.

Am Anfang steht im «Haus der Stille» oft eine Frage: «Was will ich mit meinem Leben machen?» Eine Frage, die nicht nur die Gäste sich stellen, sondern der sich auch die Schwestern schon gestellt haben, auch Schwester Dorothea. «Auf eine eigene Wohnung verzichten, dafür eine Gemeinschaft gewinnen und so dem Leben eine Ausrichtung geben, das kann befreien. Aber», fügt Schwester Mechthild bei, «das kann auch schmerzvoll sein, ein längerer Prozess. Es braucht auch Platz, etwas mitnehmen zu können und erst später loslassen zu dürfen.» Schwester Mechthild nennt dies «die menschliche Ebene» des sich Entscheidens.

Ins «Haus der Stille» in Gelterkinden kommen oft Menschen, die im Leben an einem Scheideweg stehen und die sich entscheiden müssen. In der Stille sind sie auf sich selbst zurückgeworfen. So könne Belastendes an die Oberfläche gelangen, sagt Schwester Dorothea. «Ich gebe keine fertigen Ratschläge. Ich höre zu, lasse aussprechen und frage nach.» Dies allein löse schon einen Prozess aus. «Sie müssen ihre Probleme formulieren, versuchen in Worte zu fassen, was sie wollen und was nicht. Das schafft Klarheit.» Diese finden Schwester wie Gäste auch im Gebet, weil in der Hinwendung zu Gott Unsagbares Platz habe.

«Wichtig ist uns, dass sich niemand überfordert, nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst stellt», fährt Schwester Mechthild weiter. «Man muss nicht gleich die ganze Welt verändern, um seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Es genügt, an einem Punkt anzufangen.»

Franz Osswald, Kirchenbote, 30. Dezember 2016