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Kirche

Junge mögen alte Kirchenlieder

Nicht nur eingefuchste Organisten, auch zwei Schülerinnen und ein Schüler der Schaffhauser Kantonsschule streben derzeit den Schaffhauser Orgelausweis an. Aktuell findet die Prüfung im Fach Hymnologie statt. Für die jungen Leute ist klar: Die alten Kirchenlieder gehören in die Kirche wie das Amen.

Während andere Jugendliche ihre Freizeit in Clubs oder auf dem Sportplatz verbringen, treten drei Jugendliche aus dem Schaffhauser Klettgau in die Orgelpedale. «Es ist Wahnsinn, wie vielfältig das Instrument ist», schwärmt der siebzehnjährige Elias Huber aus Beggingen. «Die Orgel ist toll, weil man auf ihr mehrstimmig spielen kann», ergänzt die achtzehnjährige Marine Eggli aus Schleitheim, und die sechzehnjährige Fabrizia Riederer, ebenfalls aus Schleitheim, sagt: «Das Spiel mit Händen und Füssen ist nicht leicht, aber eine super Herausforderung».

Anspruchsvolles Studium neben dem Schulunterricht

Alle drei nehmen seit einigen Jahren Orgelunterricht und besuchen nun den Orgelkurs der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen. Der Kurs dauert zwei Jahre und umfasst die Fächer Liturgik, Hymnologie, Musiktheorie, Orgelbau und Orgelliteraturkunde und natürlich das Orgelspiel selbst. Bei bestandener Abschlussprüfung winkt der Schaffhauser Orgelausweis. Dieser qualifiziert die Absolventen als Organisten zwischen Laien und Berufsmusikern, was sich auch auf die Besoldung auswirkt. «Die Abschlussprüfung besteht unter anderem aus einem selbständig gestalteten Gottesdienst», sagt Kursleiterin Ute Nürnberg. Sie bewundert die jungen Leute für ihren Einsatz. «Es ist sehr anspruchsvoll, dieses Studium neben dem Unterricht an der Kantonsschule durchzuziehen».

Die drei Jugendlichen fanden den Weg zur Orgel schon recht früh.Marine Eggli entdeckte ihre Begeisterung für Orgelmusik als kleines Mädchen an den Orgelkonzerten an der «Schlaatemer Chilbi». Elias Huber durfte als Kind die Orgel in der Begginger Kirche ausprobieren, in der sein Vater Pfarrer war. Fabrizia Riederer half ihrer Mutter, die Messmerin war, ab und zu in der Kirche und verliebte sich dabei in die Orgel.

Aktuell setzen sich die Studierenden mit dem Fach Hymnologie auseinander, bei dem das Kirchenlied im Zentrum steht. Zur Frage, ob das Kirchengesangbuch mit seinen alten Liedern nicht verstaubt sei, haben Marine, Elias und Fabrizia klare Meinungen. «Die alten Lieder im Kirchengesangbuch gehören zur Kirche. Es wäre schräg, wenn sie nicht mehr da wären», sagt Marine Eggli. Besonders die Choräle seien sehr schön zu begleiten. Und es mache auch Sinn, dass das Kirchengesangbuch so dick sei. «Jeder Pfarrer wählt wieder andere Lieder aus. Es ist gut, dass es so viele gibt». Diese Meinung teilt auch Elias Huber. «Man darf die alten Lieder auf keinen Fall abschaffen. Moderne Lieder und weitere Instrumente kann man zur Abwechslung mal einsetzen. Sie eignen sich allerdings nur bedingt für den traditionellen Sonntagsgottesdienst».

«Rise up für moderne Lieder»

Ähnlich sieht das Fabrizia Riederer. «Ich würde das Eingangs- und Ausgangsspiel der Orgel nie durch das Klavier ersetzen, das wäre sehr unpassend». Für junge Leute sei es aber schon in Ordnung, auch andere Lieder zu haben. «Im Liederbuch «Rise up» gibt es genug moderne Lieder, die sich auch cool begleiten lassen».Fabrizia mag die alten Kirchenlieder. «Ich habe sie oft gehört, wenn ich am Sonntag mit meiner Mutter in der Kirche war. Die Melodien sind mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Dann habe ich das Gesangsbuch aufgeschlagen und versucht, so ein Lied zu spielen».

Adriana Schneider