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Spiritualität

40 Tage kein Whatsapp

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit vor Ostern – und damit die traditionelle Fastenzeit. Beim Projekt «40 Tage ohne» der St. Galler Reformierten verzichten junge Erwachsene allerdings nicht nur aufs Essen.

In den nächsten 40 Tagen verzichtet Rachel Fischer auf so einiges. Während andere in der Fastenzeit lediglich vom Essen die Finger lassen, stehen bei ihr mittlerweile zehn Dinge auf der Liste, ohne die sie in der Fastenzeit auskommen will: Süsses, Zwischenmahlzeiten, Snacks, Starbucks, Liftfahren, Lebensmittel aus dem Ausland, Produkte der Firma Nestlé, Whatsapp, Handygames und mobiles Internet. «Es ist eine schöne Erfahrung, wenn man merkt, dass man auf viele Dinge in seinem Leben verzichten kann», sagt die 22-Jährige.

Plötzlich schmeckt alles süss

Rachel Fischer ist eine von gut 150 jungen Erwachsenen, die beim ökumenischen Projekt «40 Tage ohne» des Netzwerks Junge Erwachsene der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen und dem DAJU, dem Jugendpastoral des Bistums St.Gallen, mitmachen. Angefangen mit dem Fasten hat Rachel Fischer mit dem Verzicht auf Süsses vor acht Jahren. «Das war bis jetzt das Schwierigste von allem», sagt sie. «Nach dem Fastenbrechen schmeckt dann plötzlich alles zu süss.» 

Für die bisherigen Fastenzeiten habe sie auch schon Vorsichtsmassnahmen treffen müssen. «Süsses muss ich immer verstecken. Manchmal sind die Verstecke so gut, dass ich die Süssigkeiten nach der Fastenzeit nicht mehr finde.» 

Kontakt nur noch per SMS

In der Regel habe sie beim Fasten aber keine Mühe, sagt die Ostschweizerin. «Schwierigkeiten hat eher mein Umfeld, wenn ich auf Whatsapp verzichte und sie mich nur noch per SMS kontaktieren können.» Auch nach der Fastenzeit deinstalliere sie die App immer mal wieder. «Der Verzicht zeigt mir, dass ich diese Dinge eigentlich nicht unbedingt brauche. Also mache ich damit meistens auch nach der Fastenzeit unter dem Jahr weiter», sagt sie. 

Weniger Lästern

Ins Leben gerufen wurde «40 Tage ohne» im Jahr 2007. Die Arbeitsgemeinschaft Junge Erwachsene suchte nach einem Projekt, das zur Fastenzeit passt. «An einer Retraite führten wir ein Brainstorming durch und kamen auf diese Aktion», sagt Markus Naef, Beauftragter für Junge Erwachsene bei den St. Galler Reformierten. Der 42-Jährige unterstützt die jungen Erwachsenen beim Projekt und fastet selber mit. «Ich verzichte auf Chips und Co. und versuche weniger zu lästern. Wenn ich es doch tue, möchte ich gleich auch etwas Positives über diese Person sagen.» 

Laut Naef verzichten die meisten Teilnehmer auf Süsses. Auf der Fastenliste stehen aber auch Energy Drinks, Kaffee, Alkohol, Kohlenhydrate, Augen-Make-up oder Youtube-Filme. Die Teilnehmer des Fastenprojekts sind gemäss Naef zwischen 18 und 35 Jahre alt und melden sich in der Regel über die Website www.40-tage-ohne.ch selber an. Sie erhalten während den 40 Tagen per Post drei Briefe, in denen Gedankenanstösse zum Fasten gegeben werden. «Wir bekommen von den Fastenden oft das Feedback, dass der Anfang am schwierigsten ist.» Es lohne sich aber, durchzuhalten. «Man bekommt Erkenntnisse über sein eigenes Konsumverhalten und seine Gewohnheiten», sagt Naef.

Andreas Bättig /ref.ch
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

 

Link: https://www.youtube.com/watch?v=JHym235sRuA

Absolventen der Schule für Gestaltung St. Gallen schufen Werbespots für das Projekt «40 Tage ohne». Der Film zeigt den Siegerclip von Katharina Eugster.

Finden Sie eine Fastengruppe in Ihrer Nähe. Ökumenische Kampagne – Fastengruppen

 

 

 

 

 

Teilzeitfasten im Trend

 Wer in den nächsten 40 Tagen teilweise auf Essen verzichtet, der tut seiner Gesundheit laut neusten Forschungen etwas Gutes. Denn durch den Nahrungsverzicht wird in den Zellen die so genannte Autophagie ausgelöst. Dabei werden nicht nur schädliche Stoffe abgebaut, sondern auch Bakterien, Viren oder andere Mikroorganismen in der Zelle bekämpft. Der japanische Forscher Yoshinori Ohsumi bekam im Jahr 2016 zu seinen Erkenntnissen über die Autophagie den Nobelpreis Medizin.

Im Trend ist zurzeit insbesondere das Teilzeitfasten - auch Intervallfasten genannt. Dabei wird nicht 40 Tage am Stück auf Nahrung verzichtet, sondern lediglich für 14 bis 18 Stunden. Das ist gesund, wie der Biochemiker Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz in einem Bericht von NZZ Format ausführte. Auch in dieser kurzen Fastenzeit beginnt die Zelle sich selber zu reinigen.