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Spiritualität

Spiritualität auf dem Smartphone

21.03.2017
Wie war das noch einmal mit dem Wurstessen? Die Reformierte Zürcher Landeskirche und der Reformierte Bund in Deutschland haben gemeinsam eine neue App entwickelt. Diese bietet reformiertes Wissen, Spiritualität und Unterhaltung an.

Gute Nachricht für alle, die sich auf dem Weg zur Arbeit oder während der Mittagspause dann und wann eine gehaltvolle Alternative zur Gratiszeitung wünschen: Sie können sich per sofort die neue App «from ...» von der Zürcher Landeskirche aufs Smartphone laden – ebenfalls gratis! Die Abkürzung from steht für «reformiert fromm sein». Was eher steif und zugeknöpft tönt, ist in Wahrheit eine durchaus anregende und frische Art, sich mit reformiertem Glauben und reformierter Spiritualität auseinanderzusetzen.

Die App, von der Zürcher Landeskirche und dem Reformierten Bund in Deutschland anlässlich des Reformationsjahres gemeinsam entwickelt, bietet acht Kategorien zum virtuellen Stöbern an. Da gibt es zum Beispiel «Bibellesen für jeden Tag»; kleine Häppchen aus der Zürcher Bibel, wie: Hebr 10,32-39. Täglich findet sich eine neue «Provokation»: Etwa ein Comic, der Donald Trump auf die Schippe nimmt oder humoristisch den Unterschied zwischen Arm und Reich thematisiert. Und weil die App eben auch zum Nachdenken animieren soll, kann man sich jeden Tag ein «Bild ohne Worte» zu Gemüte führen, das eine Menge Interpretationsspielraum offen lässt.

Die Marke stärken
Für die Inhalte mitverantwortlich ist der Theologe Matthias Krieg, Inhaber des Theologischen Sekretariats der reformierten Zürcher Landeskirche. Er ist überzeugt davon, dass ein Bedürfnis nach reformierter Spiritualität besteht. «Ein Vorurteil gegenüber den Reformierten lautet ja oft, sie hätten keine Spiritualität. Dagegen haben wir nun ein Zeichen gesetzt», sagt er. Dabei wolle man auf keinen Fall «frömmlerisch» daher kommen. Viel mehr gehe es darum, zum Reformationsgedenken «auf unterhaltsame Art und Weise Wissen über sich selber zu gewinnen». Spezifisch reformiert sind denn auch die von ihm verfassten, theologischen Impulse – etwa ein kurzer Text zur historischen Relevanz des Zürcher Wurstessens.

«Die App ist eine grenzübergreifende kreative Kooperation», sagt Krieg. Sie soll die Marke «reformiert» stärken. Neben Spirituellem gehe es vor allem auch um reformiertes Engagement. Bei den Bildern habe man sich Mühe gegeben, keine «billigen Spiritualitätsbilder von blauen Himmeln» zu suchen, sondern auch mal «Trash», der herausfordert und zum Nachdenken anregt – ein Graffiti zum Beispiel, etwas, das nicht unbedingt als schön gelte. «Wir wollen die Realität, nicht nur das Gefällige berücksichtigen.»

Aktuelle Gebete
Ein Abbild der Realität sind auch die täglichen «Gebete», die in einer modernen und bewusst nicht typisch kirchlichen Sprache verfasst sind. Sie sollen Bezug nehmen auf das, was aktuell ist und die Menschen von heute beschäftigt.

Vorerst ist das zu einem Drittel von der Zürcher Landeskirche finanzierte Projekt für ein Jahr gesichert; geplant ist eine Laufzeit von drei Jahren. Die App ist vor allem für den privaten Gebrauch bestimmt, richtet sich aber auch an kirchliche Mitarbeitende, die Andachten, Besinnungen oder Predigten mit ihr gestalten können. Wer das Tool gleich ausprobieren will, gibt bei der Suche im App-Store «Reformierter Bund» ein. Unter dem Stichwort «from ...» ist die App bis dato allerdings noch nicht zuverlässig auffindbar. «Eine technische Anfangsschwierigkeit, die schon bald behoben sein wird», verspricht Krieg. Android-User müssen sich zudem noch etwas gedulden; bisher funktioniert die App nur auf Macintosh-Geräten. Anfang April soll sie dann aber für alle zugänglich sein.

Sandra Hohendahl-Tesch / reformiert. / 21. März 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».