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Kirche

«Das ist mein Leib» – Zwinglis Deutung des Abendmahls

Die Gabe Gottes geistlich essen

21.03.2017
Zwingli stritt an zwei Fronten für seine Deutung des Abendmahls – mit Rom, dann auch mit Luther. Dieser Kampf war in der Reformationszeit kein Nebenschauplatz, stand doch die Eucharistie im Zentrum der Frömmigkeit.

Es ging hier um das von der Kirche verwaltete Heil des Menschen, um  die Art und Weise, wie Gottes erlösendes Handeln in Christus den Menschen erreicht und ihn daran Anteil finden lässt. «Exkommunikation» bedeutete damals nicht nur Ausschluss von der Messe, sondern Verlust des ewigen Lebens. 

Wie schon Luther, so kritisierte auch Zwingli früh das Geschäft mit dem Feilbieten von Messen zum Heil der Lebenden und Verstorbenen. Zur Kritik an dieser Praxis kam Zwingli durch sein Schriftstudium. Als Priester lag ihm die echte Verbindung der Menschen mit Gott am Herzen. Er stellte aber fest, dass in der Messe weniger an Gott, als vielmehr an die Sühnekraft der Kirche geglaubt wurde. Man vertraute dem Sakrament, dem physischen Essen des Leibes Christi, statt Gottes Kommen durch den Heiligen Geist. Man verlasse sich auf materielle Dinge, kritisierte er, statt alles Heil von Gott zu erwarten. In diesem falschen Glauben werde der direkte Kontakt zu Gott übersehen, werde den Menschen die himmlische Gabe verwehrt.  

Ein Gedächtnismahl

Wie aber soll der eine Gott in seiner Hingabe wieder neu erfahrbar werden durch die Gaben von Brot und Wein? – Vor allem durch den Hebräerbrief kam Zwingli zur Einsicht, dass die Kirche das Opfer Christi nicht wiederholen kann und soll. Das Abendmahl ist kein Opfer. Die Heilswirkung des Todes Jesu erreiche den Menschen allein durch die glaubende Erinnerung an das, was Gott für uns getan habe – so wie auch das jüdische Passahfest vor allem ein Erinnerungsfest war an die Befreiung aus Ägypten. Das Gedächtnis hatte für Zwingli die Mission, sich dem Fluss der Gnade zu öffnen und durch den Heiligen Geist am Wunder der Menschwerdung Gottes Anteil nehmen zu können. Dies fordere Jesus selbst mit den Worten: «Dies tut zu meinem Gedächtnis.» 

Der Leib Christi ist im Himmel 

Zwinglis Theologie ist stark vom Johannesevangelium geprägt. Im sechsten Kapitel spricht Jesus von sich als dem Brot des Lebens, das vom Himmel her gegeben wird. Das essbare Abendmahlsbrot kann daher für Zwingli nicht Leib Christi sein, sondern erinnert an die Selbsthingabe Jesu, es bedeutet den Leib Christi. Wäre das Brot selber Leib Christi, so gäbe es viele davon. Der eine Leib Jesu aber sei seit der Himmelfahrt im Himmel, von wo aus
er alle Menschen gleichermassen erreiche, wie die Sonne alle Menschen bescheint. Fast refrainartig wiederholt Zwingli den Satz: «Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch hilft nichts.» (Joh. 6, 63; siehe Seite 7) 

Keine Einigung mit Luther

Ab Ostern 1525 wurde in Zürich das Abendmahl im neuen Sinne gefeiert, viermal jährlich. In dieser Zeit beschäftigte sich Zwingli auch mit der Differenz zu Luther, der den Satz «Das ist mein Leib» wörtlich verstand und befürchtete, dass die bloss geistliche Deutung bei Zwingli das Sakrament seiner Kraft beraube. Für ihn blieb das Essen des Leibes Christi ein Sakrament, das Heil vermittelt, den Glauben fördert und Sünden wegnimmt – für Zwingli ein römisches Relikt. 

«Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch hilft nichts.»

In der Sorge, dass die Reformation sich in zwei Lager spalten könnte, lud Landgraf Philipp von Hessen 1529 Luther und Zwingli nach Marburg zu einem Gespräch. Sie waren  sich in fast allem einig, nicht aber in der Deutung des Abendmahls. Für Luther blieb der Schweizer Reformator ein Spiritualist, zwar ein Freund, aber kein Bruder im Glauben. Ihm ging Zwingli mit der Entmachtung der Kirche zu weit. Erst 1973 fanden Lutheraner und Reformierte mit der Leuenberger Konkordie zu einer Einigung. 

 

Text und Foto: Andreas Schwendener   – Kirchenbote SG, April 2017

 

Jesu Einsetzung des Abendmahls

Und während sie assen, nahm er Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen und sprach: Nehmt, das ist mein Leib.

Und er nahm einen Kelch, sprach das Dankgebet und gab ihnen den, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele.                        

(Markus 14, 22–24)