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Religionen

Wie heute die Eucharistie oder das Abendmahl erlebt wird

Mein Weg mit dem Abendmahl

21.03.2017
Drei Personen geben Auskunft.

Emanuel Riederer, St.Gallen – Musiker

Ich feierte meine «Erstkommunion» als Drittklässler im St.Galler Dom. Bischof Ivo Fürer reichte uns das Brot des Lebens. Das war für mich als Kind auch ein erfreulicher und traditioneller Familienanlass. Später besuchte ich sporadisch die Messe, die ja bei den Katholiken jeden Sonntag mit der Eucharistie verbunden ist – mal mit Kollegen, mal mit meiner Mutter. Später kam ich in Kontakt mit andern Kulturen und Religionen, so mit dem Buddhismus und über die Musik mit Leuten aus Westafrika neuerdings auch mit dem Islam.  

Die Auseinandersetzung mit der Kirchengeschichte führte zu einem Bruch mit meiner Kirche. Ausserdem erschien mir ihre Praxis zu wenig nah am realen Leben, die Eucharistie berührte mich kaum mehr. Trotzdem blieb ich innerlich verbunden mit meinem Gott, dem ich mich über das Erbe des Gospels (NeoSoul, HipHop) wieder angenähert habe. 

Über eine Kollegin erfuhr ich von Scotty Williams, dem Pastor der «All Souls Protestant Church St.Gallen». Bei einer ersten Begegnung mit ihm hatte ich das Gefühl, dass er das lebt und praktiziert, was ich durch die Musik gefunden habe. Und ich spürte, dass mich seine lebensnahe, offene und authentische Art, Gottesdienst zu feiern, erdet, mir Boden gibt.  

Scotty öffnet alte Systeme zu neuen Wegen für alle, auch für kirchenferne Menschen. Seine Rolle erkannte ich verwandt mit meinem Suchen, das musikalisch-spirituelle Erbe der Menschen vielen zugänglich zu machen. Scotty begeistert, pflegt Beziehungen, hat Durchhaltewillen und Geduld. Ich erlebe bei ihm eine starke Liturgie. Gesprochene Worte wirken als Segen. Beim Abendmahl erlebe ich heute viel bewusster, wie es meine Beziehung zu Gott vertieft.

 

Eveline Graf, St.Gallen  – Redaktorin beim Pfarreiforum

Als ich 1970 in Rebstein von Pfarrer Walter Frei konfirmiert wurde, hat er mir vor versammelter Gemeinde ein wunderbares Bibelwort zugesprochen. Jesus hat darin das Gesetz des Alten Testaments zusammenfasst: «Höre, Israel, der Herr, unser Gott ist allein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganze Kraft.» Und «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Grösser als dieses ist kein anderes Gebot.» (Markus 12, 29–31)

Das Wort hat mich getroffen wie ein Blitz. Noch heute habe ich den Spruch daheim aufgehängt. Er prägt mein Leben. Wenn ich davor stehe, frage ich mich, wie ich das leben kann. 

Mit 20 Jahren besuchte ich das Zisterzienserkloster in Hautrive FR und fragte, ob ich als Reformierte die Kommunion empfangen könne. Ja, wenn ich an die Gegenwart Christi in Brot und Wein glaube, wurde mir gesagt. Diese Feier hat mich geprägt. Ich erlebte, wie ich mich mit Christus vereinige, wie Gott in mich eintreten kann und ich in ihn. Gott zu lieben und mich mit dem Leib Christi zu vereinigen, gehören für mich seither zusammen. Die Hostie beinhaltet in ihrem neutralen Geschmack alle Aspekte Gottes, die runde Form seine Unendlichkeit. 

Nachdem ich in Zürich mein Theologiestudium begonnen hatte, reifte der Entschluss, Nonne zu werden. Während meines Konversionsunterrichts erfuhr ich von der Fokolar-Bewegung, welche ein radikales Christsein in der Welt ermöglicht. Das wurde mein Weg mit Gott, auf dem die Eucharistie ein zentrales Element meiner spirituellen Praxis wurde. Sie ist Vergegenwärtigung des Opfers Christi, Mysterium. Mein Vater war reformiert. Er ging nur an hohen Feiertagen zur Kirche – wenn Abendmahl gefeiert wurde. Er war dann feierlich gestimmt, wie in einer andern Sphäre. Das weckte in mir die Ahnung für Gottes Gegenwart unter uns.

 

Kristofer Roelli, St.Gallen  – Geschäftsleiter Firma roelliroelli

Ich bin in einer kinderreichen Familie aufgewachsen, in der die christlichem Werte damals und heute einen wichtigen Platz einnehmen und auch gelebt werden. Mir hat diese Atmosphäre gut getan, auch wenn ich selber nach meiner Konfirmation andere Prioritäten hatte als das kirchliche Leben. 

In die Kirche ging ich dann hin und wieder zusammen mit meinen Eltern. Denn mein Vater war nicht mehr so gut auf den Beinen und bat mich, ihn zu begleiten. Für einige Jahre hatte ich das Kirchkreispräsidium inne und seit
20 Jahren organisiere ich für die Kirche in Rotmonten die Helferinnen und Helfer beim Abendmahl.  Da schaue ich jeweils auf eine ausgeglichene Zusammensetzung bezüglich Geschlecht und Alter. Immer soll auch jemand dabei sein vom aktuellen Konfirmandenjahrgang. 

Für mich persönlich ist das Abendmahl eine wunderbare Transformation, eine Abrundung oder Krönung von all dem, was im Gottesdienst geschieht. Im Gottesdienst vernehme ich die biblische Botschaft, das, was auch Jesus wichtig war, was er gepredigt und vorgelebt hat. Das ist für mich vor allem die Erfahrung, dass die göttliche Dimension uns nahe sein will. Es ist hilfreich, diese Nähe zu Gottes Wort auch in einem Ritual zu begehen – einem Ritual, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert und eingesetzt hat. Die göttliche Dimension wird dabei heruntergebrochen auf eine ruhige und uns vertraute Ebene. Durch diese Zeremonie fühle ich mich verbunden mit dem Gedankengut Jesu, seinem Wesen und seinen Werten. In diesem Gefühl kann sich die Botschaft setzen. Ich fühle mich in ihr verbunden und dadurch gut eingebettet ins Universum und dankbar bestärkt für meine Aufgaben im Leben. Das strahlt dann auch aus auf meine Zufriedenheit in der Familie und im Beruf. Auch im Alltag unserer Firma erlebe ich die christlichen Werte als Hilfe und Segen.

 

Text: Notiert as | Fotos: as/as/zVg  – Kirchenbote SG, April 2017