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Spiritualität

Bruder Klaus – Zwinglis Vorbild: War er reformiert?

Interview mit Fritz Gloor, Theologe und Pfarrer und Autor von «Bruder Klaus und die Reformierten, der Landesheilige zwischen den Konfessionen».

Herr Gloor, Niklaus von Flüe ist ein Heiliger, der sowohl Katholiken wie Reformierte anspricht. Warum?

Die Faszination, die Niklaus von Flüe bis heute ausübt, hat weniger mit der Konfession zu tun als vielmehr damit, dass er als Projektionsfläche für ganz unterschiedliche religiöse, spirituelle und politische Anliegen dienen kann. Er ist immer schon auf ganz unterschiedliche Weise instrumentalisiert worden.

Sogar Huldrych Zwingli hat sich auf ihn berufen?

Zwingli hatte ja nicht die Absicht, eine neue Kirche zu errichten, sondern die Kirche, wie sie Jesus gewollt hatte, wiederherzustellen. Deshalb sah er in Bruder Klaus nicht, wie man gerne meint, einen «Andersgläubigen», sondern einen authentischen Zeugen des Evangeliums. Der Einsiedler aus Unterwalden repräsentierte für ihn den in der alten Eidgenossenschaft treu gelebten christlichen Glauben. Er sei ein guter Christ gewesen, hat Zwingli einmal gesagt.

Warum?

Zum einen hatte Niklaus von Flüe mit den Missbräuchen der Papstkirche, die Zwingli bekämpfte, nichts zu tun gehabt. Zum andern hatte er das Söldnerwesen missbilligt und den grassierenden Eigennutz verurteilt. In seiner Überzeugung, dass Irrglaube und soziale Missstände die gleichen Wurzeln haben, wusste sich Zwingli mit Bruder Klaus einig.

War Niklaus von Flüe ein Vorreformator?

Er verstand sich sicher nicht als eine reformatorische Gestalt. Aber schon Jahre vor der Reformation gab es Leute, die Bruder Klaus ähnlich beurteilt haben wie nach ihnen Zwingli und seinen Nachfolger Heinrich Bullinger. Etwa sein Biograf Heinrich Wölfli, der sich später weitgehend mit den Ideen der Reformation identifizierte.

Könnte Niklaus von Flüe ein Wegweiser für die Ökumene sein?

Durchaus. Ich sehe in ihm eine Gestalt, in der sich die Hoffnungen aller Christinnen und Christen auf eine neue, wahrhaft ökumenische Reformation bündeln, welche Einheit in versöhnter Verschiedenheit sichtbar und erfahrbar macht.

Interview: Tilmann Zuber, Kirchenbote, 28.3.2017