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Gesellschaft

Letzte-Hilfe-Kurs

Sterbenden bis zum Schluss beistehen

29.03.2017
Wie steht man einem nahestehenden Menschen bei, der im Sterben liegt? Die Kirche im Kanton Zürich bietet einen Letzte-Hilfe-Kurs, der praktische Anleitungen in palliativer Versorgung gibt.

Erste Hilfe nach Unfällen zu leisten, das haben die meisten einmal gelernt. Wie aber handelt man richtig, wenn es um die letzte Hilfe geht? Wie kann man einem erkrankten oder betagten Menschen beistehen, der sich auf dem letzten Weg befindet? Das sind Fragen, die sich viele Menschen stellen, die einen Angehörigen oder eine enge Freundin an ihrem Lebensende begleiten. Fragen, auf die der Letzte-Hilfe-Kurs Antworten gibt. Entwickelt wurde er in Deutschland und Österreich, wo er seither mit grossem Erfolg durchgeführt wird. Erstmalig in der Schweiz bietet nun die reformierte Landeskirche Zürich den Kurs an.

Grundfragen rund ums Sterben«„Letzte Hilfe» richtet sich an alle, die mehr wissen möchten über das Sterben, ob mit oder ohne Vorkenntnisse in der Pflege oder Seelsorge. «Wir merken, dass ein grosses Bedürfnis in der Bevölkerung da ist, sich in Grundfragen rund ums Sterben weiterzubilden,» sagt Matthias Fischer, Pfarrer und Spitalseelsorger. Er ist in den Gesamtkirchlichen Diensten (GKD) für Palliative Care/Spiritual Care zuständig. Fischer betont, es brauche ein Wissen auch ausserhalb der professionellen Palliative Care für die Betreuung von Menschen, die zuhause sterben wollen. «Wichtig ist, dass nicht nur die medizinischen, sondern auch die sozialen, psychischen und spirituellen Bedürfnisse ernst genommen werden», sagt Fischer. Gerade in diesen Bereichen gelinge es nahen Angehörigen oft besser als Professionellen, auf die individuellen Wünsche der Sterbenden in ihrer letzten Lebensphase einzugehen.

Vier Schwerpunkte
Vermittelt wird in den Letzte-Hilfe-Kursen Basiswissen und -kompetenzen für eine gute Sorge am Lebensende. Dabei werden vier Themenschwerpunkte gesetzt. In Punkt 1 – «Sterben als Teil des Lebens» – geht es darum, wie ein Sterbeprozess im Einzelnen abläuft. Punkt 2 – «Vorsorgen und Entscheiden» – hat praktische Fragen zum Inhalt, etwa jene, wie eine Patientenverfügung auszufüllen ist. Der dritte Schwerpunkt befasst sich damit, wie körperliche, psychische, soziale und existenzielle Nöte zu lindern sind. Wie kann ein Sterbender unterstützt werden, ganz praktisch. Eine letzte Hilfe kann zum Beispiel auch die richtige Mundpflege sein. So kann ein Schaumstoff-Lolli ins Lieblingsgetränk getaucht werden, um damit den Mund des Patienten zu befeuchten. Vermittelt wird auch elementares Wissen über den Einsatz von Medikamenten, sei dies bei akuten Schmerzen oder bei plötzlich auftretender Atemnot. Der vierte Punkt des Kurses – «Abschied nehmen» – dreht sich um Angelegenheiten, die nach dem Tod zu regeln sind, also etwa, wie lange man jemand zuhause aufbahren kann, welche Bestattungsmöglichkeiten bestehen oder wer alles zu benachrichtigen ist.

Der eintägige Kurs – Dauer rund sechs Stunden – soll in den Kirchgemeinden des Kantons nach den Sommerferien angeboten werden. Am 11. April findet eine Informationsveranstaltung in Zürich statt, an welcher der Kurs vorgestellt wird. Durchgeführt wird sie von Eva Niedermann, Pflegeexpertin Palliative Care, die in der Abteilung Kirchenentwicklung der GKD im Bereich Alter und Generationen tätig ist und von Matthias Fischer. Eingeladen sind Leute aus den Kirchenpflegen, Pfarrpersonen und diakonische Mitarbeitende.

Informationsveranstaltung: Dienstag 11.April, 18-20 Uhr, Hirschengraben 50, Zürich. Anmeldungen bis 6. April an: Dorathea Morf, 044 258 92 66, dorathea.morf@zh.ref.ch

Stefan Schneiter / reformiert. / 29. März 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».