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Kirche

«Ein Facebook-Auftritt ist Gold wert»

Social-Media kann die Sozialdiakonie ankurbeln, findet die Fondia-Stiftung – und finanziert der Zürcher Kirchgemeinde Oberstrass eigens eine Stelle dafür.

Laut Facebook-AdPlanner waren im März 2017 rund 3,72 Millionen Nutzer auf Facebook aktiv. Das entspricht knapp der Hälfte aller Einwohner der Eidgenossenschaft. Und weil so viele Menschen Zeit auf dieser Plattform verbringen, findet es Barbara Roth einen «groben Fehler», wenn Kirchgemeinden dort nicht vertreten seien. «Ein Facebook-Auftritt von Kirchgemeinden ist Gold wert für ihr Image», sagt die Beauftragte für Social Media und Webberatung der Zürcher Landeskirchen.

Barbara Roth unterstützt Kirchgemeinden bei der Nutzung von Social Media. Sie berät und schult sie, wie sie ihren Auftritt in der digitalen Welt organisieren können, analysiert Zielgruppen und hilft bei der Umsetzung. «Das Interesse der Kirchgemeinden für Facebook ist da», sagt Roth. Aber weil sich die Landschaft der Zürcher Kirchgemeinden im Umbruch befindet, warteten viele erst die weiteren Schritte ab.

«Wir-Gefühl» stärken
«Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wer wir sind und was wir alles machen», sagt Roth nach der Frage was die Präsenz der Kirchen in der digitalen Welt bewirken soll. Im Social-Media-Konzept der Zürcher Landeskirche sind als weitere Ziele aufgeführt: «Mit möglichst vielen Lebenswelten in Kontakt kommen. Mit interaktiven Diskussion das «Wir-Gefühl» der Reformierten stärken. Und durch die sozialen Medien Anregungen und Impulse erhalten.»

Um den Arbeitsaufwand für Facebook möglichst gering zu halten, rät Roth: «Idealerweise füttern jene Mitarbeiter Facebook mit Informationen, die sich um die Inhalte der Kirchgemeinde-Website kümmern.» Das sei die effizienteste Art und Weise, einen Facebook-Account zu pflegen. Denn diese Personen wüssten, was aktuell sei, und könnten Neues auf der Website gleich auch auf Facebook posten. Die von Roth betreute Kirchgemeinde Adliswil wende mit dieser Arbeitsweise nur zwei bis drei Prozent der Arbeitszeit für Facebook auf.

Aufwand minimieren
«Ein weiterer Pluspunkt ist, wenn Pfarrerinnen und Pfarrer social-media-affin sind», sagt Roth und nennt die Zürcher Kirchgemeinde Sihlfeld als gutes Beispiel. Dort postet Pfarrer Thomas Schüpbach Inhalte der Kirchgemeinde auf seinem Facebook-Account und vergrössert so die Reichweite.

«Wie bei den meisten Kirchgemeinden liegt auch in der Kirchgemeinde Sihlfeld die Kompetenz für die Betreuung von Facebook beim Sekretariat», sagt Roth. Weniger zu empfehlen sei, die Facebook-Auftritte von einer externen Person betreuen zu lassen: «Dies generiert einen Mehraufwand.»

Mit Facebook die Sozialdiakonie bekannt machen
In der Zürcher Kirchgemeinde Oberstrass wurde vor einem Jahr eigens für die Betreuung der sozialen Medien eine 20%-Stelle geschaffen, die mit einer externen Person besetzt wurde. Finanziert wird diese von der Fondia-Stiftung, die die Gemeindediakonie im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund fördert. «Soziale Medien sind ein wichtiger Teil in der Diakonie, um junge Leute dafür anzusprechen», sagt die Präsidentin der Stiftung Nicolasina ten Doornkaat auf Anfrage.

Neben der Kirchgemeinde Oberstrass unterstützt Fondia eine Kirchgemeinde in Lausanne, die ein Nachbarschaftsprojekt über Social Media betreibt. «Aus der 2014 lancierten Diakonie-Kampagne haben wir erfahren, dass es viele junge Frauen gibt, die sich in der Sozialdiakonie engagieren könnten.» Und ein wichtiger Kanal um diese Zielgruppe zu erreichen, seien die sozialen Medien, sagt ten Doornkaat.

Kirchenferne erreichen
In der Kirchgemeinde Oberstrass konnten junge Frauen, vor allem junge Mütter, via Facebook über das Angebot im Kirchgemeindehaus informiert werden. Das häufig leerstehende Gebäude sollte belebt und so in ein Gemeindezentrum verwandelt werden.

«Auch Familien und Kinder, die sonst nicht mit der Kirche zu tun haben, wollten wir erreichen», sagt Werner Sieg, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, Diakonie und Freiwilligenarbeit in Oberstrass. «Viele junge Mütter kommen heute, nachdem sie die Kinder in die nebenstehende Schule gebracht haben, noch im Gemeindezentrum vorbei.»

Positive Bilanz
Sieg zieht eine positive Bilanz nach dem einjährigen Testlauf: «Wir haben bei Facebook auf den raschen Erfolg gehofft, um mehr Menschen durch Facebook auf das Angebot der Kirchgemeinde aufmerksam zu machen.» Doch auch bei Facebook brauche es Geduld, denn ein Umdenken müsse stattfinden. Das weiss der 73-Jährige aus eigener Erfahrung: «Um auf den Literaturzirkel aufmerksam zu machen, denke ich nicht immer als Erstes an Facebook.»

Auch wenn man via Facebook junge Mütter für das Gemeindeleben gewinnen konnte, nicht erreicht wurden die Jugendlichen. «Die treffen sich nach wie vor lieber an anderen Plätzen und nicht in unserem Gemeindezentrum», sagt Sieg. Deshalb überlegt sich die Kirchgemeinde Oberstrass, ob sie neben Facebook nun auch einen Instagram-Account eröffnen soll.

Nicola Mohler / reformiert. / 25. April 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».