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Politik

«Präsidium ist kein Feierabendjob»

22.05.2017
Sie präsidiert die Vorsynode Rheintal und die Kirchgemeinde Diepoldsau-Widnau-Kriessern, er steht der Vorsynode Toggenburg vor und ist seit 2016 Vizepräsident der Synode: Käthi Witschi-Hubmann und Philipp Kamm haben sich in Eschenbach in den Workshops «Milizsystem» respektive «Synode» engagiert und Ideen für die Zukunft der St. Galler Kirche zusammengetragen.

«Seit dem letzten Visitationsbericht, als der Inhalt der Kirche im Zentrum stand, ist ihre Struktur auf der Strecke geblieben», sagt Käthi Witschi. Dabei hätten sich mit den Fusionen die Bedürfnisse und Anforderungen an die Kirchgemeinden geändert, die Situation für die Kirchenvorsteherschaften sei schwieriger geworden. «Es ist, also ob ein Bauer neue Felder hinzupachtet, ihm aber die nötigen Maschinen zur Bewirtschaftung fehlen.»

«Mit den Fusionen ist die Arbeit für die Kirchenvorsteherschaften schwieriger geworden.»

Kein Feierabendjob mehr

Diese Überlastung manifestiert sich darin, dass kaum mehr Personen im Erwerbsleben fürs Präsidium gefunden werden. «Denn das Amt ist kein Feierabendjob mehr.» Rentner und Frauen, die finanziell abgesichert sind, springen in die Lücke. «Dies widerspricht der Idee, die Kirche zu verjüngen.» Im Workshop, den die 63-Jährige als spannend und konstruktiv erlebte, kristallisierten sich zwei Lösungsansätze für neue Strukturen heraus. «Das erste Modell sieht einen Geschäftsführer vor. Er wirkt operativ, entlastet die Ressorts und das Präsidium. Dabei gilt es zu bedenken, dass sich aus der Position heraus kleine Könige entwickeln könnten.» Die Idee, das Präsidium zu stärken, fand im Plenum am meisten Anklang. Die Arbeitsbelastung würde prozentual errechnet, die Stelle entlöhnt. «Die entsprechende Person wäre bereits mit den Kompetenzen ausgerüstet, die Zwischenstufe fiele weg, Ressorts könnten entlastet werden.» Das mögliche Outsourcing der Finanzen oder der Liegenschaftsverwaltung als dritte Variante fand hingegen wenig Zuspruch. 

«Ich habe den Eindruck, dass die Synode momentan kein aktiver Impulsgeber ist.»

Synode Mitgestalten statt «Abhocken»

Als sehr anregend empfand auch Philipp Kamm die Aussprachesynode. «Hier ist, im Gegensatz zur Synode, das Gespräch erwünscht.» Der Fokus des Ebnat-Kapplers lag denn auch beim
Kirchenparlament. «Die Verkleinerung war ein Thema, ob dies billiger und speditiver wird, ebenfalls. Der Tenor aber lautete: Was will man erreichen und wie?» Nach Ansicht des 38-Jährigen ist die Synode derzeit kein aktiver Impulsgeber. Die Frage stelle sich, wie die Synodalen zur engagierten Parlamentsarbeit motiviert werden können, damit sie nicht zweimal pro Jahr nur die Session absitzen und den Knopf drücken. «Die Bildung von Interessengruppen oder Vorbereitungskommissionen sind Varianten, das Debattenklima zu erneuern.» Dabei blickten die Diskutierenden über den eigenen Tellerrand hinaus, verglichen Ratsgremien anderer Kantone, die Fraktionen haben oder Fachgruppen. 

Sorgenkind Liegenschaften

Es gebe aber Dringlicheres als die Reformierung der Synode, sagt der Toggenburger. Er wie Witschi haben bei der Nutzung überzähliger Liegenschaften der Kirchgemeinden Handlungsbedarf ausgemacht. «Ein Kirchgemeindehaus kann noch zum Kindergarten umfunktioniert werden. Aber beim Verkauf einer Kirche wird es sehr emotional», so die Rheintalerin.

 

Text: Katharina Meier | Fotos: Andreas Ackermann  – Kirchenbote SG, Juni-Juli 2017

 

Gelegenheit für Gespräche

Alle zwei Jahre treffen sich die reformierten St. Galler Kirchenparlamentarier und -parlamentarierinnen zur Aussprachesynode. Nicht Abstimmungen und Traktanden stehen im Zentrum, sondern der Austausch und die Vertiefung eines Themas. Grundlage war dieses Jahr der Visitationsbericht 2017 «Kirche bei den Menschen». In Workshops zu den Stichworten Synode, Milizsystem, Gebäude, partnerschaftliche Gemeindeleitung und die Gemeindestrukturen trugen die Teilnehmenden Ideen, Anstösse und Lösungen für die Zukunft zusammen und gaben sie dem Kirchenrat mit auf den Weg. (meka)