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Kirche

Kirchen schaffen gesellschaftlichen Mehrwert

50 Millionen Franken erhalten die Zürcher Landeskirchen vom Kanton. Die Kirchen bieten dafür Jugendarbeit, Sozialberatung, Jobbörsen, Konzerte oder Krabbelgruppen an. Wird die Freiwilligenarbeit, die in diesen Angeboten eingeschlossen ist, mitberechnet, erbringen die Kirchen gemäss einer neuen Studie Leistungen von 62 Millionen Franken.

Schon der repräsentative Raum an der Uni sowie die Anwesenheit der Regierungsrätin Jacqueline Fehr bei der Präsentation der Kirchenstudie an der Universität Zürich stellt symbolisch unter Beweis: Trotz der gesetzlich verankerten Trennung von Staat und Kirche bestehen gewisse Privilegien für die beiden Landeskirchen fort. Das grösste Privileg aber ist der Staatsbeitrag von 50 Millionen Franken – 26, 8 Millionen für die Reformierten, 25,9 Millionen für die römisch-katholische Kirche –, die jährlich der Kanton auszahlt.

Da dies natürlich auch einige Diskussionen in einer säkularen Gesellschaft nach sich zieht, haben die Landeskirchen zusammen mit dem Kanton eine Studie in Auftrag gegeben. Ihr Ziel: Die soziale und kulturelle Angebotspalette wie Mittagstische, Jugendarbeit, Arbeitslosenberatung, Krabbelgruppen und Konzerte unter die Lupe zu nehmen und dabei abzuklären, inwieweit die Kirchen gesellschaftlich bedeutsame Leistungen erbringen.

Kirche rechtfertigt Staatsbeitrag
Ganz knapp fasst das Ergebnis Benno Schnüriger, synodaler Ratspräsident der römisch-katholischen Körperschaft zusammen: «Die Kirchen sind ihr Geld wert!» In dieselbe Kerbe schlägt auch der reformierte Kirchenratspräsident Michel Müller. Auch er freut sich über den «wissenschaftlich begründeten Befund, dass die Kirchen viel mehr im Interesse der ganzen Gesellschaft leisten, als ihnen durch Staatsverträge und Firmensteuern vergütet werden.» Dank der systematischen Studie sei nun der kirchliche Standpunkt erhärtet, dass die Kirche weit über ihre Mitglieder hinaus gesellschaftlichen Mehrwert schaffe. «Über diese Objektivität sind wir froh», so Müller.

Das Plus der Freiwilligenarbeit
Es war eine bürokratische Herkulesarbeit für das Team um Professor Thomas Widmer, die Studie zu erstellen. Widmer jonglierte denn auch bei seiner Präsentation mit vielen Zahlen. Untersucht worden sind 86 366 kirchliche Angebote – von der reformierten Seite her 55 702 Angebote und von der römisch-katholischen Seite her 30 574. 1, 9 Millionen Arbeitsstunden von Freiwilligen haben die Forscher des Instituts für Politikwissenschaft zusammenaddiert. Umgerechnet auf Vollstellen wären bei der katholischen Kirche 440 Personen zu 100 Prozent beschäftigt und 410 bei den Reformierten.

Ausserdem beurteilten in einer telefonisch standardisierten Befragung 1200 Personen sowie 129 Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber die Angebote der Kirchen. Das Ergebnis streicht eindrucksvoll die Bedeutung der Kirchen für die Zürcher Bevölkerung heraus: mit ihren in Geldwert umgerechneten Leistungen von 62 Millionen Franken schaffen die Kirchen mehr Gegenwert, als der Kanton ihnen mit 50 Millionen bezahlt. Umgerechnet auf die Zahlen der reformierten Kirche heisst das: Dem kantonalen Kostenbeitrag von 26, 8 Millionen Franken stehen mit den hochgerechneten Leistungen der Freiwilligen 35,4 Millionen gegenüber.

Auch Jaqueline Fehr ist erfreut über das Resultat. Das stärke sie im Jahr 2018 für die nächste Finanzperiode 2020 bis 2025 weiterhin einen Jahresbeitrag des Kantons von 50 Millionen vorzuschlagen. Die Regierungsrätin betont: «Es ist wichtig zu wissen, dass die Beiträge, die der Kanton Zürich den Kirchen schon bisher zukommen lässt, gerechtfertigt sind.»

Soziales Engagement beliebt
Was bei der Befragung der Bevölkerung sowie der Gemeindeschreiber auffällt: Vor allem das soziale Engagement der Kirche wird geschätzt. Politische Statements und Diskussionsbeiträge von Kirchenvertretern schneiden dagegen eher negativ ab.

Wenn Müller auch über die objektive Grundlage der Studie erfreut ist, kritisiert er doch die starke Betonung auf nichtkultische Leistungen, die mehrheitlich als gesellschaftlich bedeutsam bewertet würden. Vor allem die in der Studie vorgenommene Abgrenzung zwischen kultisch und nicht kultisch sei schwierig. Ob es sich nun um den Denkmalschutz der Kirchengebäude handelt oder um die religionspädagogische Unterrichtung drängt sich die Frage auf: Wie weit stellt dies nicht auch einen gesamtgesellschaftlichen Wert dar?

Ins selbe Horn stösst Schnüriger, der sein Argument mit dem Hinweis auf die Migrantenseelsorge vorträgt. Wenn hier auch ausschliesslich katholische Migrantinnen und Migranten angesprochen würden, sei dies ein wesentlicher Beitrag, damit die Portugiesinnen, Kroaten oder Spanierinnen «Fuss fassen und heimisch werden können.»

Delf Bucher / reformiert. / 27. Juni 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».