Logo
Kirche

«Diese Woche bekräftigt mich in meinen Studienplänen.»

Der Campus Kappel entführt eine Woche lang Jugendliche in die spannende Welt theologischen Denkens und Argumentierens. Und bringt einige von ihnen vielleicht dazu, ein Theologiestudium aufzunehmen.

Gibt es die eine Wahrheit? Brauchen wir noch Kirchen? Hab ich eine Bestimmung? Wer macht mich glücklich? – Es sind grosse Fragen, welche am diesjährigen Campus Kappel auf dem Programm stehen. Zum fünften Mal findet dieses Event im Kloster Kappel statt. 22 Jugendliche und junge Erwachsene nehmen daran teil. Sie geben eine Ferienwoche daran, um sich während dieser Zeit theologisch-philosophischen Fragen zu widmen.

Organisiert wird der Campus von den Deutschschweizer Landeskirchen sowie von den Theologischen Fakultäten Bern, Zürich und Basel. Ziel ist es, wie es Koordinatorin Sara Stöcklin formuliert, „Jugendliche für Theologie und für theologisch-philosophische Diskussionen zu begeistern.“ Wenn danach einige von ihnen sich dazu entschliessen, ein Theologiestudium aufzunehmen - „umso besser“. Die Campus-Teilnehmer sind fast alles Gymnasiastinnen und Gymnasisten vor oder nach der Matur, zwischen 17 und 19 Jahren alt und aus der Deutschschweiz.

Zahl der Interessenten geht zurück

Tatsache ist aber, dass seit dem ersten Campus Kappel vor fünf Jahren die Zahl der Teilnehmenden rückläufig ist. «Es hätte Platz für mehr», bestätigt Sara Stöcklin. Die Koordinatorin des Campus führt das unter anderem darauf zurück, dass der Religionsunterricht an den Gymnasien in den Kantonen kontinuierlich an Bedeutung verliert und fast überall nur noch als Ergänzungsfach angeboten wird. Laut Stöcklin wird das Angebot nach diesem Campus evaluiert und entschieden, ob und in welcher Form es in Zukunft weitergeführt wird. Erwogen werde auch, den Campus nicht mehr jedes Jahr durchzuführen.

Offen diskutieren

Diejenigen aber, die dabei sind, sind das aus Überzeugung. Etwa Avi Girschweiler. Der 19-Jährige aus Seuzach wird im Herbst Theologie studieren. Am Campus schätzt er, mit andern Leuten offen diskutieren und sich austauschen zu können. Bereits am ersten Tag sei schon stundenlang diskutiert worden, erzählt Girschweiler. «Einzutauchen in verschiedenen Themen, das hilft mir, meine eigenen Ansichten neu zu überdenken, differenzierter zu denken und zu argumentieren.»

Gloria Kaiser stammt aus dem grenznahen Deutschland. Sie hat dieses Jahr ihr Abitur gemacht und hat ebenfalls im Sinn, ein Theologiestudium aufzunehmen. «Diese Woche hier bekräftigt mich in meinen Studienplänen. Es macht Spass und ist spannend, mit andern jungen Leuten mit ihren ganz unterschiedlichen Hintergründen zu diskutieren.» Die Veranstaltung «Gibt es die eine Wahrheit?», ging etwa der Frage nach, ob es eine Wahrheit für alle Religionen gibt. Diskutieren konnten die Jugendlichen dabei mit einem Bibelwissenschaftler, einem Islamtheologen und einer Richterin und Politikerin. Diese Persönlichkeiten hätten ihr neue Impulse und Denkanstösse vermittelt, erzählt Gloria Kaiser und sie dazu animiert, ihr eigenes Wahrheitsverständnis zu überdenken.

Differenzieren statt generalisieren

Valentin Huber hat soeben die Matur abgeschlossen. Der 18-Jährige aus dem schaffhausischen Löhningen wird wohl eher Informatik statt Theologie studieren. Am Campus Kappel nimmt er teil, weil man sich «hier in einer coolen Umgebung mit vielen andern Menschen in stundenlangen Diskussionen Grundsatzfragen widmen kann». Er erhalte so wertvolle Impulse von aussen, die ihn dazu brächten «zu differenzieren, wo ich vielleicht noch am generalisieren bin».

Diskutieren über Gott und die Welt ist jedoch nicht das Einzige, das im Campus Kappel läuft. Die Jugendlichen lernen sich auch anderweitig kennen, auf gemeinsamen Spaziergängen in der wunderbaren Umgebung von Kappel, beim Grillieren zu Gitarrenklängen am Türlerlsee oder beim gemeinsamen Besuch von innovativen kirchlichen Projekten in der Region.

Stefan Schneiter, reformiert.info