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Gesellschaft

«Schlachten muss ruhig ablaufen»

Ein Metzger mit 38 Jahren Berufserfahrung erzählt.

Eigentlich wollte Philipp Breu aus Neunkirch im Kanton Schaffhausen Automechaniker werden. Aber es kam anders. Vor 38 Jahren erlernte er wie schon sein Vater und Grossvater das Metzgerhandwerk und stieg in den Familienbetrieb ein. Als Kind durfte er beim Schlachten nicht zuschauen. «Wir sahen durch das Fenster im Schlachthaus, wie ein Rind hereingeführt wurde. Es gab einen dumpfen Knall und das Rind fiel um. Ins Schlachthaus hinein durften wir erst, wenn das Tier ausgeblutet war», erinnert sich Philipp Breu.

Heute bringt er jedes Tier selber ins Schlachthaus. Er führt das Tier am Halfter aus dem Wagen und zieht ihm einen Jutesack über die Augen. «So wird es ruhiger und beginnt nicht zu rennen», sagt der Fachmann. Im Schlachthaus führt er das Tier zum Schlachtplatz. «Dann setze ich den Schussapparat an, der einen Bolzen enthält. Der Bolzen schlägt durch die Schädeldecke und von der Druckwelle wird das Tier bewusstlos. Von dem Moment an spüre es bis zum Tod nichts mehr, ist Breu überzeugt. «Dann lege ich die Luftröhre frei und schneide die Halsschlagader auf. Der Blutentzug führt schliesslich zum Tod und macht das Fleisch haltbar», erklärt der Schlachtermeister.

Für Philipp Breu ist es wichtig, dass alles so ruhig und so schnell wie möglich abläuft. «Das ist wichtig für das Tier und für die Sicherheit aller beteiligten Berufsleute.»

Die Frage, ob er bei den Tieren Angst wahrnimmt vor dem Schlachten, verneint Philipp Breu klar. «Sonst könnten wir die Tiere nicht so problemlos aus dem Wagen führen.» Anders sei das auf Grossschlachthöfen. «Da habe ich viele Tiere in Panik gesehen, wenn sie durch den Treibgang gejagt und vor der Betäubung fixiert werden. Tiere, die ihr Leben lang nur frei gehalten wurden, bekommen Angst, wenn man sie verladen will, das kann gefährlich werden.»

Die Tiere, die zu Breu ins Schlachthaus kommen, stammen aus nahegelegenen Bauernhöfen. Eine nähere Beziehung zu den Tieren hat Breu aber nicht. «Man darf bei unserer Arbeit keine Beziehung zu einem Nutztier aufkommen lassen», sagt er. Philipp Breu kennt das Tabu, das dem Schlachten anhaftet. «Viele Leute essen Fleisch, wären aber selber nicht imstande, zu schlachten. Man weiss zwar, dass jemand die Tiere töten muss, blendet das aber aus.» Die Industrialisierung fördere diesen Widerspruch. «Der Konsument sieht in den Geschäften nur noch die fertigen Produkte und verliert den Bezug zur Urproduktion.»

Er sei sich bewusst, dass er bei jedem Schlachten ein Leben auslösche. «Ohne Achtung kann man nicht auf eine gute Art schlachten», sagt er dazu. «Es braucht Respekt. Vor dem Leben, vor dem Tier und vor dem Produkt, das man daraus macht.»

Adriana Schneider, Kirchenbote, 22.8.2017


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