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Gesellschaft

«Hunde haben keine Vorurteile»

Therapiehunde im Einsatz: Was kann ein Hund, was ein Mensch nicht kann?

Was kann ein Hund, was ein Mensch nicht kann? – Auf diese Frage hat Schulungsleiterin Peggy Hug vom Verein Therapiehunde Schweiz die Antwort parat: «Der Hund nimmt jeden Menschen, wie er ist, ohne jedes Vorurteil.» Der Mensch mache sich aufgrund des Geschlechts, Alters, Hautfarbe, Krankheit oder allfälligen Behinderungen sofort ein Bild seines Gegenübers, der Hund hingegen gehe unbefangen auf den Menschen zu. «Dank der Interaktion mit dem Therapiehund lösen sich Verkrampfungen, die Patienten zeigen ein anderes Verhalten als gegenüber Menschen, sie beruhigen sich», sagt sie. «Der Hund bringt Licht in ihre Dunkelheit.»

Ein Hund muss allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Therapiehund werden zu können. Der Verein Therapiehunde Schweiz formuliert es so: «Der Hund ist mindestens zwei und höchstens sieben Jahre alt, hat ein sicheres Wesen, einen guten Gehorsam (durch Kurse erworben), wird gerne von fremden Menschen gestreichelt und ist gesund.»

Peggy Hug ergänzt: «Der Hund muss gut sozialisiert sein und auf spontane Handlungen des ihm zunächst fremden Menschen positiv reagieren und darf nicht zurückschrecken. Dabei kommt es keineswegs auf die Rasse oder Grösse an. Die Einsätze müssen dem Wesen des Hundes entsprechen und ihm Freude bereiten. Genau wie der Hund muss auch der Hundeführer bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Er muss volljährig sein, empathisch, geduldig, diskret und eine gute Bindung zu seinem Hund haben.»

Die Nachfrage nach tiergestützter Therapie sei gross, erzählt Peggy Hug. Die Hunde kommen in Spitälern, Kliniken bei psychisch Erkrankten, in heilpädagogischen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Senioren- und Behindertenheimen, Reha-Kliniken und Gefängnissen zum Einsatz.

Insbesondere eigne sich die Therapie mit Hunden auch bei Autisten, dementen älteren Menschen oder Menschen mit Angstpsychosen. Auch die Kombination mit anderen Therapieformen bewähre sich. So hätten etwa Ergotherapeutinnen, Logopädinnen oder Physiotherapeuten gute Erfolge, wenn sie von ihrem Therapiehund unterstützt würden, erzählt Peggy Hug.

Nach Vorbild in den USA

Der Verein Therapiehunde Schweiz wurde im Jahr 1993 gegründet. Anfang der Neunzigerjahre kam die Gründerin des Vereins Therapiehunde Schweiz, Ursula Sissener, in Kontakt mit der in den USA bereits entwickelten Therapie. In der Schweiz lancierte sie die Ausbildungen sowohl für Hundeführer wie für Hunde. Der Verein erhielt mehrere Preise und wurde Vorbild für ähnliche Bemühungen in verschiedenen europäischen Ländern.

Heute erhalten die Absolventen der halbjährigen Ausbildung ein Zertifikat und der Hund eine Medaille, nachdem sie die entsprechenden Prüfungen bestanden haben. Der Einsatz von Therapiehunden erfolgt kostenlos. Jeder interessierte oder entsprechend bedürftige Mensch kann einen Therapiehund anfordern. Das Prinzip lässt aufhorchen: Von Natur aus selbstlose Tiere helfen Menschen, dies ohne jeden Kostendruck.

Adriana Schneider, Kirchenbote, 22.8.2017

www.therapiehunde.ch


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