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Gesellschaft

Schule im Kongo trotzt allen Krisen

Am Anfang waren es 15 Erstklässlerinnen und Erstklässler, die auf der Terrasse des Hauses von Heidi und Gilbert Kabangu unterrichtet wurden. Daraus entstanden ist das heutige Schulzentrum Les Gazelles in Kinshasa im Kongo.

Heidi Kabangu-Stahel aus Hallau, die Gründerin von «Les Gazelles» erinnert sich: «Wir wollten eine kongolesische Schule gründen, weil unsere drei Kinder damals eine Schule brauchten», sagt sie. Heute umfasst «Les Gazelles» 3 Kindergarten-, 6 Primarschul- und 10 Gymnasialklassen, die jährlich von 520 Schülerinnen und Schülern besucht werden. Die Schüler schliessen ihre Ausbildung mit der Maturität ab. Zusätzlich bildet «Les Gazelles» Lehrpersonen und Schneiderinnen aus. Alle Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, nachher die Universitäten zu besuchen oder arbeiten zu gehen.

Die Handarbeit sei sehr wichtig, sagt Heidi Kabangu-Stahel, die seit 40 Jahren überwiegend im Kongo lebt. «Handarbeit wird in den meisten Schulen im Kongo vernachlässigt oder gar nicht unterrichtet.» Am Anfang sei es nicht leicht gewesen, dieses Konzept durchzusetzen. «Die Eltern unserer Schüler waren zunächst gegen eine pädagogische Abteilung. Der Lehrerberuf galt nicht viel», erinnert sich die Schulgründerin. Eine weitere Hürde war der Standort der Schule in einem sehr dicht bevölkerten, lärmigen Aussenquartier. In der Kolonialzeit mussten die Kinder ihre Dörfer verlassen und die Schulen in der Missionsstation besuchen. «Man glaubte damals, dass im Dorf alles schlecht sei», sagt die ehemalige Schulleiterin, «das ist bis heute in den Köpfen der Menschen verankert.»

Inflation und Unruhen

«Les Gazelles» ist eine staatliche Schule, die kirchlich verwaltet wird. Die kirchliche Verwaltung rührt aus der Missionszeit in den 60er-Jahren, als es nur Missionsschulen im Kongo gab. Heute greift der Staat wieder mehr ein. «Der Staat bezahlt den miserablen Lohn des Personals und die Eltern zahlen eine Prämie dazu», sagt Kabangu-Stahel. Das Geld aufzubringen, sei für viele Eltern schwierig. «Die Kirchen sind arm und möchten von den Schulen profitieren. Deshalb müssen die Menschen im Kongo viel für die Kirchen zahlen.»

Die aktuelle politische Situation ist stark spürbar. Unruhen und Schiessereien sind im Kongo an der Tagesordnung. «Einmal musste ich in der Schule übernachten, weil man nicht auf die Strasse konnte», erzählt Kabangu-Stahel.

Durch die Inflation können die Leute immer weniger überleben. «Viele Eltern haben Schulden und können das Schulgeld nicht mehr bezahlen.» Trotzdem sei in den letzten Monaten viel Gutes zu verzeichnen. «Die guten Matur- und Prüfungsabschlüsse haben uns sehr gefreut.» Die Schule hat zudem verschiedene Wettbewerbe gewonnen und 300 Personen aus dem Landesinneren haben an der Lehrerfortbildung teilgenommen.

 

25.8.2017 | Adriana Schneider


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