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Kirche

Audiovisuelles Spektakel am Bundeshaus

Das Reformationsjubiläum bestimmt bis Ende November den Bundesplatz: Das audiovisuelle Spektakel «Reset» soll die Kirche unter die Leute bringen, heisst es beim Kirchenbund.

Erhabene Worte sind es, die Gottfried Locher findet, um das Engagement des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) beim audiovisuellen Spektakel «Reset» auf dem Berner Bundesplatz zu umschreiben: «Das Licht, das die Dunkelheit durchbricht und auf die geschichtsträchtige Fassade auftrifft, steht für die erstrittene Freiheit, die heute Teil der Schweizer DNA und allen Bürgerinnen und Bürgern eigen ist – diese Freiheit gilt es zu wahren, zu achten und zu schützen», wird der SEK-Präsident auf der Website des Projekts zitiert.

Bereits zum siebten Mal wird das Schweizer Regierungszentrum unter dem Namen «Rendezvous Bundesplatz» allabendlich angestrahlt. Dieses Mal zeigt die aufwendig produzierte Projektion in Licht und Ton die facettenreiche Geschichte der Reformation, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Die Erfindung des Buchdrucks, die Spaltung der katholischen Kirche, das Betreten eines neuen Kontinents kommen vor. Aber auch Unrühmlicheres wie Religionskriege oder der Bildersturm wird nicht ausgeblendet.

Das System zurücksetzen
«Reset» habe es vor 500 Jahren schon geheissen, als die Reformation ganz Europa und auch die Schweiz erfasste, richtet Gottfried Locher weiter aus. Die Reformatoren wollten das bestehende System «zurücksetzen», weil es ihrer Meinung nach nicht mehr funktionierte und die Menschen in ihrer Freiheit beschränkte. Mit der Reformation seien der Freiheitsgedanke und damit die Persönlichkeit des Menschen ins Zentrum gerückt.

Für Katharina Dunigan, Kommunikationsbeauftragte beim Kirchenbund, ist es ein Glücksfall, dass die Reformierten «Content-Partner» sein können bei Rendezvous Bundesplatz: «Letztes Mal sahen 600'000 Menschen das Spektakel – das ist unbezahlbare Aufmerksamkeit, die wir hier erhalten.» Neben dem SEK gehören sechs reformierte Landeskirchen und die Schweizerische Reformationsstiftung zu den Unterstützenden.

Spielerisch in Erinnerung rufen
Doch auch wenn sie als Content-Partner aufgeführt werden: Den Inhalt bestimmten die Kreativen und Techniker der Produktion. Der Kirchenbund habe die projektleitende Starlight GmbH zwar auf das Thema gebracht, sagt Katharina Dunigan. «Die Ausführung lag dann aber vollständig in ihren Händen. Wir erhielten ein Storyboard und ein paar Bilder und regten noch zwei, drei zusätzliche Szenen an.» Schliesslich seien sie beim Kirchenbund überrascht gewesen, wie stark die Macherinnen und Macher bei der Geschichte geblieben seien.

So ist auch Frank Mathwig, Beauftragter für Theologie und Ethik beim SEK, zufrieden mit dem Engagement. Den Kirchen mangle es zwar nicht an Präsenz, aber diese werde in der Gesellschaft zu wenig wahrgenommen, findet er. Mit «Reset» werde nun künstlerisch-spielerisch etwas in Erinnerung gerufen, das einem zwar bestens vertraut, aber kaum bewusst sei – «ein Glücksfall und eine Chance für die Kirchen, sich von ganz anderer Seite und auf einer ganz anderen Projektionsfläche zu zeigen», findet Mathwig.

Die Botschaft gehört an jede Wand
Zudem sei die Botschaft die gleiche wie zur Zeit der Reformation: «Kirche ist hier und jetzt oder gar nicht. Die Reformation hat den Glauben, die Bibel und die Theologie wieder auf die Strasse zu den Menschen gebracht», sagt der Theologe und Ethiker. Diese Botschaft gehöre an jede Wand, weil sie allen Menschen gelte. Und: «Wenn etwas mehr Farbe und etwas grössere Bilder dieses Anliegen sichtbarer machen, umso besser!»

So freue sich der Kirchenbund einfach über diese Gelegenheit, hält Mathwig fest: Ein in Bern etabliertes Herbstschauspiel auf dem Bundesplatz hole das Thema Reformation in den Alltag der Stadt zurück. Schliesslich müssten die Kirchen ihre Anliegen und ihre Geschichte unter die Leute bringen. Zudem, fügt Frank Mathwig an: «Wer über leere Kirchen klagt, sollte über Reformationsgeschichte auf dem Bundesplatz nicht meckern.»

Marius Schären, reformiert.info, 13. Oktober 2017

Spielzeiten von Rendez-vous Bundesplatz 2017: «Reset», 13. Oktober bis 25. November, täglich 19.00 und 20.30 Uhr, Do und Sa zusätzlich um 21.30 Uhr, www.rendezvousbundesplatz.ch

Making of
Am Dienstag, 17. Oktober 2017 um 18 Uhr findet in der Heiliggeistkirche in Bern eine kostenlose Einführung (Making of) zur diesjährigen Lichtshow mit dem gesamten Künstlerteam statt.
Auf kirchlicher Seite hat das Spektakel «Reset» mehrere so genannte «Inhaltspartner»: Es wird unterstützt vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), den Landeskirchen Aargau, Bern-Jura-Solothurn, Freiburg, St. Gallen, Zug und Zürich und von der Schweizerischen Reformationsstiftung. Unter der Leitung von Starlight Events mit dem technischen Partner Auviso erzählen die Künstler von Casa Magica die Reformationsgeschichte.