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Gesellschaft

«Das wollen wir den Frauen nicht zumuten»

Militärdienst ist unattraktiv, der Zivildienst nützlicher und lebensnäher. Zwei gängige Aussagen, die bei «Basel im Gespräch» eher zementiert als entkräftet wurden.

Es ist ein aktuelles, aber keineswegs ein neues Thema: die Frage nach der Zukunft der Dienstpflicht, die an der Veranstaltung «Basel im Gespräch» in der Offenen Kirche Elisabethen im Zentrum stand. Das zeigte auch der mässige Publikumsaufmarsch, für den das eisig kalte Wetter und das Cupspiel des FC Basel nur bedingt verantwortlich waren. Es zeigte sich auch daran, dass Christian Keller, Journalist und Mitglied der Offiziersgesellschaft Basel, kaum mehr auf seinem Stuhl ruhig sitzen konnte, weil ihm alles gesagt schien. Sein Credo lautete durch den ganzen Abend: «Es ist die Pflicht jedes Schweizer Bürgers, seinen Dienst zu absolvieren.» Er selbst tat es ungern, ohne Freude am Schiessen, aber aus besagter Verantwortung heraus. «Ich wollte nicht klagen, sondern es besser machen, deshalb habe ich die Offiziersschule absolviert.» 

Ihm gegenüber sass Korpskommandant Daniel Baumgartner, Ausbildungschef der Schweizer Armee. Er klagte. Nicht über die mangelnde Leistungsbereitschaft der heutigen Jugendlichen – «ich bin oft über deren Leistungsbereitschaft erfreut und erstaunt» –, sondern darüber, dass seine Armee Leute ausbilde, die sie dann an den Zivilschutz verliere. Dies auch, weil eine Armee per se nicht attraktiv sein könne. «Bei uns kann man nicht kommen, wann man will, und auch nicht tun, was einem selbst sinnvoll erscheint. Das ist nicht sexy», meinte der Ausbildungschef. Mit dem Zivildienst habe er nicht viel am Hut. Zu einfach sei es, sich von der militärischen Dienstpflicht zu verabschieden, einen Gewissensentscheid könne man das nicht nennen. Ihm pflichtete Christian Keller bei, ein Ausstieg sei praktisch per Mausklick möglich. 

Kein Interesse an einer Entwicklung
Einen konstruktiven Vorschlag unterbreitete Priska Seiler Graf, Nationalrätin und Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission. «Das Norweger-Modell könnte zwar nicht 1:1 übernommen werden, aber doch als Idee einen Weg aufzeigen.» Die Armee in Norwegen rekrutiert ihre Soldaten je nach Bedarf. Sie finde genügend Freiwillige, weil ihr Bestand klein ist. Die Rekrutierung von Frauen sei dort die Regel. Hierzulande tut sich die Politik schwer damit. «In der Kommission hatten solche Zukunftsmodelle keine Chance. Man wollte gar nicht darüber diskutieren, hatte kein Interesse, in die «nächste Geländekammer» zu gelangen, wie das militärisch heisst. Man wolle das den Frauen nicht zumuten, wurde argumentiert, stellte Seiler Graf mit Befremden fest. 

Die Nationalrätin brach eine Lanze für den Zivildienst: «Es ist unnötig, den Militärdienst gegen den Zivildienst auszuspielen.» Ja, sie frage sich, ob denn der Zivildienst so attraktiv sei, weil dort etwas Sinnvolles gemacht werde und im Militär, wie sie immer wieder höre, Leerlauf und Langeweile herrschen. Auch ihre Söhne hätten dies so erlebt.

Nicola Goepfert, Geschäftsführer des Schweizerischen Zivildienstverbandes, hatte keine Mühe zu untermauern, dass der Zivildienst für die Gesellschaft relevant sei. Einsätze bei Naturkatastrophen und die Unterstützung im Pflegebereich durch Zivildienstleistende seien anerkannt und geschätzt. Zivildienstleistende seien keine Dienstverweigerer, wehrte sich Goepfert vehement. «Zivildienstleistende kommen auch einer Dienstpflicht nach, die zudem länger ausfällt.» Goepfert wünschte sich für die Zukunft, dass dereinst auch Frauen und Ausländer im Zivildienst willkommen seien.

Franz Osswald