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Kirche

Der Papst in der Stadt Calvins

Der Weltkirchenrat hat den Papst nach Genf eingeladen. Dies sei für die Schweizer Ökumene ermutigend, sagt Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Locher traf Franziskus vor zwei Jahren bei einer Privataudienz im Vatikan.

Franziskus ist nach Paul VI. 1969 und Johannes Paul II. 1984 und 2004 der dritte Papst, der in die Schweiz kommt. Am 21. Juni reist er zum Weltkirchenrat ÖRK nach Genf. Welche Bedeutung hat dieser Auftritt des Pontifex? Mit seinem Besuch anerkenne Franziskus die Arbeit des ÖRK für die Einheit der Kirchen, sagt Generalsekretär Olav Fykse Tveit. 

Dies findet auch Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK. «Der Besuch des Papstes ist ein Zeichen der Ermutigung für die weltweite Ökumene, und damit für unsere Schweizer Ökumene, wo wir unter dem Motto ‹gemeinsam zur Mitte› den Schwung aus dem Reformations-Jubiläumsjahr in die Zukunft mitnehmen möchten.» 

Zeichen der Hoffnung
Vor 70 Jahren wurde der ÖRK gegründet. Die weltweite Kirchengemeinschaft setzt sich für die Ökumene und die Einheit der Christen ein. Pikantes Detail: Die katholische Kirche ist nicht Mitglied des ÖRK. Trotzdem hat der Weltkirchenrat den Papst zur Geburtstagsfeier nach Genf eingeladen. Der Weltkirchenrat würdigt damit das Engagement des Papstes für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und Umweltschutz. Die Zusage des Vatikans sei «ein Zeichen der Hoffnung für alle, die sich nach Einheit, Friede und Gerechtigkeit sehnen in einer gebrochenen und geteilten Welt», freut sich Olav Fykse Tveit. 

Zürcher Bibel im Vatikan
Gottfried Locher kennt Papst Franziskus persönlich. Im März 2016 empfing ihn der Papst im Vorfeld des Reformationsjubiläums zu einer Privataudienz im Vatikan. Nun kommt Franziskus nach Genf, in die Stadt des Reformators Calvin. Kennt das Oberhaupt der Katholiken die Schweizer Reformation? «Nicht sehr gut», meint Gottfried Locher, «aber er hat sich im Gespräch für unsere Situation interessiert. Und er bekam von uns eine sehr schöne Zürcher Bibel geschenkt.»

Wie kaum einer vor ihm sei Franziskus auch für einige Reformierte eine wichtige christliche Stimme auf Weltebene, sagt Gottfried Locher. «Er spricht einfach und verständlich, und er hat jene vor Augen, die selber keine Stimme haben.» Dass die Kirchen einander näherkommen, sei dem Papst ein Herzensanliegen, so Locher. «Er geht auf die protestantischen Kirchen zu.» Als erster Papst besuchte Franziskus die Kirche der Waldenser, die Kirche der Reformierten Italiens.

Nicht zu viel erwarten
Ansonsten dürfe man nicht zu viel von diesem Besuch erwarten. Franziskus sei in erster Linie Gast des Weltkirchenrats, so Locher. Ein Treffen der reformierten Schweizer Kirche mit dem Papst ist in Genf nicht vorgesehen. Gottfried Locher bedauert das. Er würde eine Aussprache mit einer Delegation von Reformierten schätzen. «Aber vielleicht ändert der Papst seine Meinung noch. Die Gespräche laufen.»

Der Weltkirchenrat wurde 1948 in Amsterdam gegründet. Dem ÖRK gehören heute 348 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften in mehr als 110 Ländern an. Das sind rund eine halbe Milliarde Christen in der ganzen Welt. Der SEK ist Mitglied des Weltkirchenrats, die katholische Kirche nicht. Katholische Theologen arbeiten aber in den wichtigen Kommissionen als Vollmitglieder mit.

Karin Müller, kirchenbote-online, 19. März 2018