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Kirche

Der Ökumene-Manager

Seit 50 Jahren blüht das Zusammenleben zwischen Katholiken und Reformierten im Solothurnischen Leimental. In Flüh steht die älteste ökumenische Kirche der Schweiz. Ökumene ist für Helmut Zimmerli-Menzi eine Herzensangelegenheit und eine Frage der Ressourcen.

Wenn Helmut Zimmerli-Menzi über Kirche und Theologie spricht, dann klingt dies wie ein Statement vor der Aktionärsversammlung. Die drei Landeskirchen seien wie Tochtergesellschaften in der gleichen Holding und arbeiteten auf der gleichen Grundlage, der Bibel. «Warum soll man drei Organisationen von der Basis bis zur Spitze getrennt führen, nur wegen kleiner Differenzen bei der Auffassung über das Abendmahl und die Organisationsstruktur? Die Besucher nehmen den Unterschied kaum wahr, wenn überhaupt.» Mit dieser Analyse beschreibt der Wirtschaftsmann die Frage der Ökumene, klar und befreiend undogmatisch.

In Brüderlichkeit mit dem Kloster
Seit 13 Jahren ist der 59-Jährige Mitglied der Exekutive, seit sieben Jahren als Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Solothurnisches Leimental. Der moderne Bau mit dem Manna-Fenster des bekannten Basler Künstlers Samuel Buri ist die erste ökumenische Kirche in der Schweiz. Seit 44 Jahren feiern Reformierte und Katholiken hier zusammen Gottesdienste.

Die Gastfreundschaft in unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters Mariastein ist seit langem selbstverständlich – und das nicht nur mit den Leimentaler Katholiken. Auch Freikirchen wie etwa die Heilsarmee waren zu Besuch. Gemeinsam feiert man hier das Abendmahl und die Eucharistie.

Zimmerli führt den liberalen Geist auch auf den Einfluss des Klosters Mariastein zurück. Die Padres, die oftmals den Kirchendienst im Solothurnischen Leimental übernahmen, sind den Menschen näher als die Kurie im fernen Rom. «Die Ökumene steht und fällt mit den Repräsentanten», stellt er fest. «Wenn diese liberal sind und sich mögen, dann funktioniert Ökumene.»

In seiner Haltung fühlt sich der «überzeugte Ökumeniker», wie sich Zimmerli bezeichnet, von höchster Stelle bestätigt. Papst Franziskus habe gesagt, wartet nicht auf die Gelehrten und Theologen, denn da könnt ihr ewig warten. Die Basis sei zum Handeln aufgerufen. «Die Kirchenleitungen sind aufgefordert, mutig zu sein, voranzugehen und den Weg der Einheit zu beschreiben, bevor ‹die da oben› die letzten Details geklärt haben», schrieb Helmut Zimmerli-Menzi im Grusswort zum Jahr 2018 an die Kirchgemeinde.

Prominente auf der Kanzel
Während die Ökumene in der Schweiz an vielen Orten schwächelt, entwickelt man sie im Leimental unbeeindruckt weiter. Davon zeugt schon das Programm: An den «Ökumenischen Sonntagen» predigten Nationalrat Eric Nussbaumer, Roche-Konzernleitungsmitglied Stephan Feldhaus sowie die Regierungsräte Anton Lauber BL und sein Solothurner Kollege Remo Ankli. Entsprechend voll war die Kirche.

Und an den «Ökumenischen Gipfeltreffen» sassen Grössen wie alt Bundesrat Samuel Schmid, Annette Schavan, deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom, Frère Alois, Prior der Brüdergemeinschaft von Taizé, SEK-Präsident Gottfried Locher und Bischof Felix Gmür auf dem Podium. Immer wieder finden Prominente den Weg ins Leimental. Für den Headhunter Zimmerli ist dieser Erfolg Teil der Überzeugung und eine Frucht der Hartnäckigkeit.

«Der finanzielle Druck wird die Kirchen zusammenführen»

Zimmerli ist davon überzeugt, dass die Ökumene in den kommenden Jahren noch stärker wird, befeuert durch den Mitgliederschwund und die gesellschaftliche Entwicklung. «Viele Leute treten aus der Kirche aus, nicht weil sie dem Glauben den Rücken kehren, sondern weil sie mündiger geworden sind und mit der Institution Kirche wenig anfangen können», sagt er.

Dies bedeute keineswegs, dass solche Menschen keine Christen mehr sind, sie seien lediglich nicht mehr Teil der Institution. «Der finanzielle Druck wird das Zusammenwachsen beschleunigen.» In fünfzig Jahren wird es «so etwas wie eine gemeinsame Kirche» geben, prognostiziert Zimmerli.

Gottesdienste zusammenlegen
Da spricht aus Zimmerli der Unternehmer. Diese Entwicklung könne man nicht stoppen. Im Gegenteil, die Kirchen müssten sich der Situation wie jedes andere Unternehmen stellen und sich zusammentun, um schlagkräftig zu bleiben. Man müsse beispielweise die Gottesdienste zusammenlegen, statt weiterhin die Ressourcen in den schwach besetzten Kirchen zu verschwenden. Die ökumenischen Sonntage sei der schlagende Beweis dafür. Die Kirche ist meistens voll.

Würde sich Zimmerli dem Papst unterordnen? Wir Schweizer seien demokratisch geprägt, die katholische Kirche bekanntlich nicht. «Wenn sich das ändern würde, der Papst demokratisch gewählt würde und von seiner Unfehlbarkeit abrückt, wäre wohl vieles möglich», sagt Helmut Zimmerli.

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 28. Mai 2018