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Gesellschaft

Fremde und Gäste auf der Erde

Heimat in der Bibel.

Zurzeit befinden sich weltweit 68 Millionen Menschen auf der Flucht, unzählige Expats und Wanderarbeiter kommen hinzu. Alle auf der Suche nach einer neuen Heimat. Auch die Bibel kennt Heimat vor allem aus der Perspektive der Vertreibung, dem Exil und der Wanderung: Schon in der Genesis vertreibt Gott Adam und Eva aus dem Paradies und Abraham verlässt seine Grossfamilie und seinen Stamm. Im Zentrum des jüdischen Glaubens stehen die Erfahrungen des Auszugs aus Ägypten und das Exils in Babylon. Dieser Blickwinkel des Unterwegsseins bestimmt auch das Neue Testament. Jesus ruft die Jünger und seine Anhänger zur Nachfolge auf. Sie sollen sich mit ihm aufmachen in das Reich Gottes. Und die neutestamentliche Briefliteratur unterstreicht, dass Christen auf der Welt und in der Gesellschaft immer etwas heimatlos bleiben. Die Christen sind «Fremde und Gäste auf der Erde», heisst es im Hebräerbief (Hebr 11, 13). Und der Apostel Paulus spricht von der Heimat im Himmel (Phil 3,20). Die Heimat der Christen lässt sich nicht an Heiligtümern und Orten lokalisieren, sondern sie entsteht, wenn «sich zwei oder drei in meinem Namen versammeln», wie Christus sagt. Sie geschieht dort, wo die befreiende Botschaft des Evangeliums Fuss fasst und Menschen Nächstenliebe und Geborgenheit erleben.  Ob schliesslich am Ende der Zeiten das «himmliche Jerusalem» wartet, ist dann zweitrangig.

Tilmann Zuber, 25.6.2018, Kirchenbote


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