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Kirche

«Bei ‹Star Wars› sagte ich Nein»

Gertrud Walch trat mit vierzehn Jahren ihre Stelle als Organistin in Oberhallau SH an. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht.

Betritt man die Dorfkirche in Oberhallau, fällt der Blick auf die fast hundertjährige Orgel. Sie steht vorne im Kirchenraum, etwas unterhalb der Kanzel. «Das ist prima, so habe ich Blickkontakt mit dem Pfarrer und den Gottesdienstbesuchern», sagt die Organistin Gertrud Walch. Die 64-Jährige setzt sich auf die Orgelbank und beginnt zu spielen. Ihre Finger fliegen über die Tasten. Sofort erfüllt der Orgelklang die Kirche. 
Gertrud Walch ist seit rund 50 Jahren Organistin in Oberhallau. «Ich kenne inzwischen mehrere Generationen. Es ist schön, diese Verbindung zu spüren.» Mit vielen Gottesdienstbesuchern ist Walch ins Alter gekommen. Spielt sie bei der Abdankung eines Bekannten, so wählt sie Werke, die dem Verstorbenen gefallen hätten. Quasi als letzten Liebesgruss der Organistin. Für einen Stellenwechsel gab es für Walch nie einen Grund. Sie hat -sieben Pfarrpersonen, zwei Mesmerinnen und mehrere Stellvertreterinnen erlebt. Ihr gefällt die Orgel der Dorfkirche: «Ich habe mich in ihren Klang verliebt, möchte weder sie noch die Kirchgemeinde missen.»

Als Schülerin schon Organistin 
Ihre Stelle in Oberhallau trat Gertrud Walch mit 14 Jahren an. Klavierstunden erhielt sie in der Primarschule von ihrer Tante, Gertrud Brodbeck. In der Sekundarschule begann sie mit dem Orgelspiel. Als Kantonsschülerin erwarb sie das Organistendiplom. 
Als die Stelle in Oberhallau frei wurde, fragte eine Bekannte die Familie Walch an, ob die junge Gertrud in der Kirche Orgel spielen wolle. «So konnte ich die Stücke, die ich im Unterricht übte, gleich in der Kirche vortragen», witzelt Walch. In den Anfangszeiten brachten die Kassiers der Kirchgemeinde das Gehalt im Lohntäsch-chen zu Getrud Walch nach Hause. Sie ermahnten sie, das Geld nicht gleich auszugeben. In Erinnerung blieb ihr, als der Blitz während eines Gottesdienstes in Schleitheim einschlug. Der Strom fiel aus. Walch wollte die Noten zusammenpacken, als der Mesmer angerannt kam und anfing mit den Füssen auf die Blasbälge zu treten. So konnte sie weiterspielen, auch «wenn die Musik schwankte».
Verändert haben sich die Ansprüche vor allem bei  Hochzeiten. «Heute wird alles Mögliche gewünscht», sagt die Organistin. Einmal hätte sie ein Stück aus dem Film «Star-Wars» spielen sollen. «Da sagte ich zum ersten Mal Nein», erzählt Gertrud Walch. «Ich kannte es nicht und mich stimmte der Titel nachdenklich: Wie passen Krieg und Hochzeit zusammen? 
Bei den Hochzeiten ist der Gemeindegesang kümmerlich geworden», sagt die 64-Jährige. Die Wilchingerin führt das darauf zurück, dass der sonntägliche Kirchgang nicht mehr selbstverständlich ist. Sie selber habe schon als Kind einen Bezug gehabt zum Glauben und zur Kirche. «Sonst wäre ich wohl kaum Organistin geworden», meint Gertrud Walch. 

Adriana Schneider/ 28.6.2018