Logo
Politik

«Der geplante Neubau ist unbedenklich»

Der Neubau der Aksa-Moschee in Schaffhausen wirft hohe Wellen. Kritiker prangern an, dass die Finanzierung intransparent und die Imame aus Ankara Sprachrohre für Erdogan seien. Der Islam-Experte Joachim Finger gibt Entwarnung.

Nachdem bekannt wurde, dass der Kanton die Freigabe für den Neubau der Aksa-Moschee am Schalterweg in Schaffhausen erteilt hatte, brach eine Welle der Kritik über den Türkisch-Islamischen Verein herein. In Medienberichten hiess es, dass die türkische Regierung die Moschee über Umwege mitfinanziere. «Die Finanzierung der Moschee liegt im Dunkeln. Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Kanton den Bau abgenickt hat», sagte der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder in den «Schaffhauser Nachrichten». Auch SP-Grossstadtrat Urs Tanner betonte in einem Interview, dass die Finanzierung «genau beobachtet werden müsse». Auch in anderen Ländern besteht die Besorgnis, dass die türkische Regierung über die Entsendung der Imame grossen Einfluss auf türkische Gemeinden im Ausland habe. Österreichs Regierung will sieben als extremistisch beurteilte Moscheen aufgrund verbotener Fremdfinanzierung schliessen und 60 Imame ausweisen. Der Türkisch-Islamische Verein in Schaffhausen wies sämtliche gegen den Neubau gerichteten Vorwürfe zurück. Und lud die Bevölkerung zum öffentlichen Fastenbrechen in die Moschee ein, um «in allen Fragen Klarheit zu schaffen».
Die Platzverhältnisse in dem alten Gebäude am Schalterweg waren eng. Rund 40 Männer drängten sich an diesem heissen Sommerabend im Gebetsraum, weitere beteten auf dem Flur, in der Küche oder im Waschraum. «Manchmal müssen wir zum Beten auf die Strasse ausweichen, weil wir zu wenig Platz haben», sagte Ibrahim Erdogan, Präsident des Türkisch-Islamischen Vereins. Der Verein zählt rund 200 Mitglieder. Rund 4600 Muslime leben im Kanton Schaffhausen. Das Gebetshaus steht allen offen.

Keine Grossmoschee
Der Neubau wird 220 Quadratmeter umfassen und bis zu 1,7 Millionen Franken kosten. In den Medien war von einer Grossmoschee die Rede. «Das stimmt so nicht», hält Ibrahim Erdogan fest, «nur einen Drittel des Gebäudes werden wir als Gebetsraum verwenden. Der Rest setzt sich aus Gemeinschaftsräumen und aus der Wohnung des Imams zusammen. Es handelt sich um ein Gemeindezentrum, nicht um eine Grossmoschee.» 
Geplant sind Aufenthaltsräume für Kinder, Frauen, Männer und Jugendliche. Viel Wert legt der Verein auf die Jugendarbeit: «Im Internet stehen viele falsche Informationen über den Islam. Das ist grade für Jugendliche gefährlich. Wir wollen sie durch Religionsunterricht und soziale Projekte vor der Radikalisierung schützen», so der Präsident. 
Der Verein finanziert das Bauprojekt aus eigener Kraft. «Wir sammeln Geld, um bei der Bank einen Kredit beantragen zu können», sagt Ibrahim Tas, Mitglied des Vereinsvorstandes. Er betont: «Es fliessen keine Gelder aus der Türkei oder von regimenahen Kreisen.» Der Verein finanziert sich durch die Jahresbeiträge der Mitglieder. Eine Liste im Aufenthaltsraum der Moschee hält fest, wer bereits bezahlt hat und wie viel. Manche Beträge sind deutlich höher als die üblichen 30 Franken für den Jahresbeitrag. «Wir liegen momentan bei etwas mehr als 300 000 Franken», sagt Tas. Der Verein will zwischen 20 und 30 Prozent des Investitionsvolumens aufbringen und die Baukosten durch Eigenleistungen der Mitglieder senken. 
Eigentümerin der Liegenschaft ist die Türkisch-Islamische Stiftung für die Schweiz Tiss. «Wir haben der Tiss die Liegenschaft nominell übergeben und besitzen einen Mietvertrag mit der Stiftung», erläutert Tas. «So kann sich keine fremde Gruppierung in den Verein und uns aus dem Haus drängen», sagt er. Die Tiss entsendet die Imame aus Ankara und bezahlt auch ihr Gehalt. Kritiker befürchten, dass die vom türkischen Ministerium für Religion (Diyanet) ausgebildeten Imame politische Propaganda predigen. «Politische Botschaften sind nicht erlaubt und werden von uns nicht geduldet», entgegnet Ibrahim Tas. In Schaffhausen folgt jeweils am Ende der Predigt eine deutschsprachige Zusammenfassung.

Konservative Linie
«Die Imame, die vom Diyanet kommen, sind Staatsbeamte, die sich an die vom Religionsministerium vorgegebene Linie halten müssen», sagt Joachim Finger, Pfarrer und Inhaber der Schaffhauser Fachstelle für Religionen und Weltanschauungen. «Diese Linie ist unter dem AKP-Regime konservativer geworden. Aber sie ist nicht fundamentalistisch oder radikal.» 
Die Schaffhauser Gemeinde sei auf den Imam aus Ankara angewiesen. «Sie braucht einen Imam für die erste und zweite Generation, der türkisch spricht. Zudem ist es nicht so einfach, über Jahre einen Imam zu finanzieren», sagt der Pfarrer. «Wir sollten den Imamen hier eine Ausbildung ermöglichen. Die Gelehrten hätten dann den hiesigen kulturellen Kontext und würden die Landessprache beherrschen. Das wäre auch im Sinn des Türkisch-Islamischen Vereins.» Der Islam-Experte sagt klar: «Ich teile die Bedenken gegenüber fundamentalistischen Muslimen, die Religion zur Ideologie machen – aber nicht gegenüber dieser Moschee. Das geplante Gemeindezentrum ist unproblematisch und die Finanzierung transparent. Die Menschen hier sind nicht beeinflusst von Präsident Erdogan», sagt er und betont: «Je besser die Muslime bei uns integriert sind und sie ihre Religion leben können, desto kleiner ist das Risiko für Radikalismus», sagt der Theologe. Dies bestätigt auch Ibrahim Tas. «Radikale und Salafisten gelten bei uns als Sektenmitglieder, denen wir nicht die Tür öffnen.» 

Adriana Schneider/ 28.6.2018