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Gesellschaft

Das Jahrhundert der Ökumene

Ich war weder Hippie noch Revoluzzer. Von den Studentenunruhen habe ich aus der Zeitung erfahren. 1968 bediente ich als SBB-Betriebsbeamter im Zürcher Oberland die Stationen vom Aathal bis nach Bollingen am Zürichsee. Trotzdem erlebte ich die Zeit als Umbruch, ich entschloss mich, Theologie in Basel zu studieren. Im Studentenhaus traf ich den Neutestamentler Oscar Cullmann, der schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil Beziehungen zu den verschiedensten Konfessionen hatte. Später hat mich die ökumenische Gemeinschaft von Taizé tief geprägt. Ich reiste zu den Orthodoxen in den Sowjetblock, studierte in Rom bei den Waldensern und an der päpstlichen Gregoriana und lebte «Kloster auf Zeit» in einem Benediktinerkloster.

Nach einem Jahrtausend der Spaltungen brach in den 60er-Jahren in den Kirchen die Zeit der Sammlung an. Man kann das 20. Jahrhundert als das Jahrhundert der ökumenischen Bewegung bezeichnen. Die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils als «Ökumenisches Konzil» durch Papst Johannes XXIII. war Zeichen, dass sich die Kirchen mit der Trennung nicht mehr wohl fühlten.

Seit elf Jahren bin ich Pfarrer in der ökumenischen Kirche in Flüh. Die Ökumene ist heute ins Stocken geraten. Statt auf globale Vernetzung wird stärker auf das Nationale gesetzt. Sie werten ihre eigene Identität höher als das gemeinsam Christliche. Das führt in eine Sackgasse. Dieser Dialog muss im eigenen Herzen starten. Es muss dahin führen, dass es nicht nur dich oder mich gibt, sondern nur noch IHN.

Armin Mettler, Pfarrer, Flüh SO

(aufgezeichnet durch Tilmann Zuber, 27.8.2018, Kirchenbote)