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Gesellschaft

Sinnerfüllung als Konstante

Nach fast vierzig Jahren im Dienst des Heks, dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz, verabschiedet sich Christian Plüss in den (Un-)Ruhestand. Sein Engagement hat ihn geprägt.

Noch sei es für ihn wie längere Sommerferien, antwortet Christian Plüss auf die Frage, wie er das Pensioniertendasein erlebe. Er könne es noch gar nicht richtig fassen. Nun suche er die Ruhe, um sich von den beruflichen Erlebnissen der vergangenen fast vier Jahrzehnte etwas zu distanzieren. Seit dem 30. Juni pendelt Plüss nicht mehr täglich mit dem ÖV von Maisprach nach Basel und kann den Finanzdruck beiseiteschieben. Das Erstellen des Budgets im Hochsommer gehört der Vergangenheit an und bringt ihn nicht mehr ins Schwitzen. 

Ungeplante Lebensstelle
Als Christian Plüss im Februar 1980 beim Heks-Flüchtlingsdienst seine Arbeit aufnahm, hätte er nie gedacht, dass er beim Heks pensioniert würde. «Wer denkt schon mit 25 Jahren an die Pensionierung?», schmunzelt Plüss. Als frischgebackener Sozialarbeiter fand er sofort Freude an den Aufgaben, die ihn forderten und zuweilen auch überforderten. «Meine ersten neun Jahre als Sozialarbeiter in der Flüchtlingsbetreuung beanspruchten mich, weil ich mich bis dahin kaum mit Menschen aus fremden Kulturen befasst hatte», gibt er freimütig zu. Die tägliche Arbeit gab ihm viel. Die Begegnung mit den Flüchtlingen bereicherte ihn. Begeistert und etwas unbedarft und naiv habe er sich in die Arbeit gestürzt, ohne viel von «Interkulturalität» gehört zu haben. Heute sei die «Interkulturalität» selbstverständlicher Bestandteil von Ausbildung und Praxis.
Im Jahr 1989 strukturierte das Heks die Inlandarbeit um. Das Hilfswerk fragte Christian Plüss an, ob er die neu geschaffene Leitung der Regionalstelle Basel (damals noch nicht beider Basel) übernehmen wolle. «Und das, ohne ein Assessment absolvieren zu müssen. Das wäre heute nicht mehr denkbar», kommentiert Plüss mit einem Augenzwinkern. 

«Im Kleinen Grosses bewirken»
Die Anfrage ermöglichte es Plüss, während fast dreier Jahrzehnte einen Beitrag für benachteiligte Menschen in unserer Gesellschaft zu leisten. Das Heks gab ihm «Boden unter den Füssen», unter anderem mit dem Motto: «Im Kleinen Grosses bewirken.» «Dieser Heks-Slogan war und ist mir Wegbegleitung in zwei Dimensionen: etwas Grosses oder zumindest Gemeinnütziges anzustreben und dabei realistisch zu bleiben und die Bodenhaftung zu behalten», resümiert Plüss seinen Wirkungsansatz.  Bei allem Wachsen gelte es, die Balance zu halten zwischen Quantität und Qualität.
Für den kommenden dritten Lebensabschnitt habe er kein grosses Projekt vorgesehen. «Ich plane keine Weltreise.» 
Er wolle einfach mehr Zeit für sich und seine Lebenspartnerin haben. Und natürlich möchte er sich vermehrt seinen Hobbys widmen, etwa dem Malen und Zeichnen sowie dem Musizieren mit Gitarre und Geige. Und er wolle sein Engagement als Mitglied der Kirchenpflege in seinem Wohnort Maisprach weiterführen.

29.08.2018 / Toni Schürmann