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Gesellschaft

«Man darf etwas wagen»

27.09.2018
Der Jugendarbeiter Daniel Frei durfte den Schaffhauser Preis für Entwicklungsarbeit entgegennehmen. Als 18-Jähriger begann er den Aufbau einer Schule in Sambia.

Anfang September erhielt das Team von «iChange» den mit 25 000 Franken dotierten Schaffhauser Preis für Entwicklungszusammenarbeit. «Es bedeutet mir viel, dass der Kanton Schaffhausen unserem jungen Team so viel Vertrauen entgegenbringt», sagt Daniel Frei.
Freis Geschichte ist aussergewöhnlich: Als 18-jähriger Schreinerlehrling reiste er aus Löhningen ins afrikanische Sambia, um eine Schule aufzubauen. Mitten in den Slums von Ndola, einer Stadt mit einer Million Einwohnern, 300 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lusaka, schlug er die ersten Nägel für den Bau der Schule ein. Mit 19 Jahren gründete er mit Gleichgesinnten das Hilfswerk «iChange». Durch den Aufbau von Schulen ermöglicht «iChange» Kindern in Ndola die Chance auf kostenlose Bildung. Von rund 17 Millionen Menschen in Sambia sind 46 Prozent unter 15 Jahre alt, nur gerade 2 Prozent sind 65-jährig oder älter. «Für die meisten Familien ist das bis zu 200 Franken hohe Schulgeld pro Jahr, das eine staatliche Schulen kostet, unerschwinglich», sagt Daniel Frei. «Ohne Schule lernen die Kinder beispielsweise kein Englisch. Und das bedeutet unter anderem, dass sie sich nicht über Krankheiten wie Aids, Cholera oder Malaria informieren können.»
In den Slums gelebt
Das Armenviertel von Ndola misst ungefähr einen Kilometer und liegt zwischen dem Flughafen und einem Sumpfgebiet. In den Slums leben bis zu 10 000 Menschen. Der Sumpf sei ein grosses Problem wegen Malaria, erzählt Frei, die Kindersterblichkeit sei hoch. Die mithilfe von «iChange» erbaute Schule steht am Eingang zum Armenviertel. Mittlerweile unterrichten dort 5 Lehrpersonen 250 Kinder. «Bildung ist ihre einzige Chance, um aus den Slums herauszukommen», sagt er.
Der langjährige Jungscharleiter schmunzelt, wenn er an den Anfang zurückdenkt. «Als junger Idealist dachte ich: Ich gehe nach Afrika und baue dort mithilfe von anderen eine Schule, und ich bin der gelernte Schreiner vor Ort.» Die Realität holte Frei schnell ein. «Es gab keinen Strom, deshalb konnten wir anstelle von Schrauben nur Nägel verwenden», erzählt er. «Ich lernte dann von den Einheimischen, wie man eine solche Konstruktion zimmert.»
Wieder in der Schweiz berichtete er in den Konfirmandenklassen der Kirchgemeinde Lohn-Stetten-Büttenhardt von seinen Erfahrungen, worauf die Teenager beschlossen, Geld für den Bau der Schule zu sammeln. Nach der Schreinerlehre reiste Frei zurück nach Ndola und stellte die Schule fertig. Die Menschen vor Ort seien mehrheitlich offen für die Hilfe aus dem Ausland. «Viele haben die Schule von Anfang an befürwortet. Sie haben verstanden: Es ist ihre Schule, nicht unsere.» Um die Spendengelder optimal einzusetzen, gründete Daniel Frei die Organisation «iChange», die er präsidiert. Der vierköpfige Vorstand von «iChange» arbeitet ehrenamtlich. Neben Projekten in den Bereichen Bildung und Empowerment ermöglicht der Verein Freiwilligeneinsätze in Sambia. Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wichtiges Ziel von «iChange». «Wir arbeiten darauf hin, dass die Regierung des Landes anfängt, die Schule zu unterstützen», so Frei.
Lebensfreude trotz Armut
Die Menschen in den Slums von Ndola wohnen in Hütten aus dem Lehm der Termitenhügeln, Sand, Blech und Holz. «Von November bis März regnet es, und die Hütten halten höchstens drei Regenzeiten», sagt Daniel Frei, der mit den Einheimischen in den Slums wohnte . «Es gibt keinen Strom und kein fliessendes Wasser. Die Toilette ist ein Loch im Boden», sagt er. Die Menschen essen hauptsächlich Maisbrei, manchmal gibt es dazu etwas Fisch oder Gemüse. «Mir wurde bewusst , dass es ein grosses Privileg ist, in der Schweiz geboren zu sein. Genauso gut hätte ich in den Slums von Ndola zur Welt kommen können», sagt der Schaffhauser. «Dieses Privileg will ich nutzen, um dort zu helfen. Man kann in Afrika mit wenig Geld viel Gutes tun.» Das Leben in Sambia sei hart, aber das merke man den Menschen nicht an, sagt er. «Die Leute besitzen nichts, aber sie sind trotzdem fröhlich. Im Bus fängt jeder ein Gespräch mit dem anderen an. Man nimmt sich Zeit, um miteinander zu reden.»
«iChange», auf Deutsch «Ich verändere», hat auch das Leben von Daniel Frei verändert. Neben seinem Engagement für «iChange»  arbeitet er als Jugendarbeiter und studiert Theologie. «Gott hat mir das geschenkt, was ich brauche, damit ich mich für meine Visionen einsetzen konnte», sagt er. 10 Jahre nach seinem ersten Einsatz in Afrika sei er zwar realistischer geworden. Seine Courage hat er aber nicht verloren. «Man darf etwas wagen», sagt er.

www.iChange.ch

27.09.18 / Adriana Schneider