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Gesellschaft

Regelmässiger Service für die Beziehung

Die Sozialdiakonin Judith Flückiger ist überzeugt, dass es sich lohnt, Zeit und Energie in die eigene Beziehung zu investieren. Deshalb lädt die Kirchgemeinde Olten auch zum Paar-Weekend ein.

«Ein Auto braucht einen regelmässigen Service, eine Beziehung ab und zu eine gemeinsame Zeit», erklärt Fredy Flückiger. Daran haben sich Flückigers ihr Leben lang gehalten. Seit 32 Jahre sind sie verheiratet. Eine lange Zeit? «Kommt auf die Perspektive an», witzelt Judith Flückiger. Ihre Eltern seien doppelt so lange verheiratet. 
Judith und Fredy Flückiger arbeiten als Sozialdiakone, sie in der Kirchgemeinde Olten, er in Zürich-Hirzenbach. Sie sind überzeugt, dass eine gute Partnerschaft Zeit und Engagement braucht. Deshalb haben sie in ihren Kirchgemeinden schon Ehe-Kurse von FamilyLife angeboten. Der siebenteilige Abendkurs hilft Paaren, über wichtige Bereiche ihrer Partnerschaft zu sprechen und Anregungen zu erhalten. 

Erfülltes Liebesleben
Im Einzelnen diskutieren die Paare über die Kunst zu kommunizieren und Konflikte zu bewältigen und über Eltern und Schwiegereltern. Auch heikle Themen sind kein Tabu, etwa die Sexualität, die unter dem Stichwort «Ein erfülltes Liebesleben – guter Sex» aufgegriffen wird. «Über solche Themen spricht man im Alltag selten bis nie», sagt Judith Flückiger. «Da drehen sich die Gespräche meist um die Kinder, den Haushalt, den Beruf und man organisiert die anstehenden Termine und Aufgaben. Da bleibt wenig Zeit für sich als Paar.» Für den November haben Flückigers zu einem Paarwochenende eingeladen. Zum Thema «Die Liebe bleibt – gemeinsam Stürme überstehen» sind Referate von Anette und Roger Götz von FamilyLife geplant, es bleibt aber auch viel Zeit zu zweit. 

Die Bereitschaft zu vergeben
Fredy und Judith Flückiger finden es wichtig, dass beide den Willen haben, zusammenzubleiben und nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen. «Man sollte nicht resignieren, sondern dranbleiben und Lösungen suchen, eventuell auch im Gespräch mit einem anderen Paar», meint Fredy Flückiger. Nach einer Krise brauche es die Bereitschaft zu vergeben und den Willen, neu anzufangen. Ob es gelingt, sei offen und nicht allen Paaren gegeben. Es sei schade, wenn zwei «den Rank nicht finden» und sich scheiden lassen, fügt Judith Flückiger an. Es gibt aber auch Situationen, in denen eine Trennung zur Entspannung beiträgt, das komme auf die Umstände an: «Wie vieles im Leben ist eine schöne Partnerschaft auch ein Geschenk.»Flückigers haben vier Kinder zwischen 22 und 29 Jahren. Judith Flückiger war froh, dass sie nach der Geburt des ersten Kindes erst einmal Mami und Hausfrau sein durfte. Als die Jüngste vier Jahre alt war, nahm Judith die Arbeit wieder auf. Sie ist dankbar, dass sie sich diese Zeit für die Kinder nehmen konnte. Andererseits versteht sie es, dass Frauen «nach der langen Ausbildung berufstätig bleiben wollen». Judith Flückiger kennt den schwierigen Spagat zwischen Mutterrolle und Berufsalltag. Deshalb hält sie sich mit Patentrezepten zurück. Im Laufe der Jahre sei ihre Beziehung gewachsen und habe sich verändert, sagt Judith Flückiger. Das Herzklopfen und die Schmetterlinge der ersten Verliebtheit seien vorbei, dafür sei die Vertrautheit und Beständigkeit gewachsen, erzählt ihr Mann. Man vertraue dem anderen, nie käme es Fredy in den Sinn, Judiths Handy zu kontrollieren. Und wenn er Sorgen hat, weiss er, dass er sich an seine Frau wenden kann.
Beide sind dankbar für die gemeinsamen Ehejahre, sie seien ein Geschenk. Dieses pflegen sie gerne und investieren Zeit dafür.

Tillmann Zuber, 18. Oktober 2018