Logo
Spiritualität, Gesellschaft

Ein Raum der Stille

26.10.2018
Seit vielen Jahren verbirgt sich im Untergeschoss des Kantonsspitals ein Raum der Stille. Er lädt zu Ruhe, Einkehr und Aufatmen ein.

Es geht nicht nach oben, sondern mit dem Lift in den Keller. Daniel Zubler, Spitalseelsorger am Kantonsspital, öffnet die Tür, und man betritt im Trubel des Spitals einen Raum, der nichts als Ruhe ausstrahlt. Das soll auch so sein, denn hier besteht die Möglichkeit, aufzuatmen, einen Moment für sich zu geniessen, allenfalls zu beten oder einfach einmal nichts zu tun und zu hören.

Der Raum der Stille im Kantonsspital mutet freundlich an. Die Farben wechseln von einem unaufdringlichen Gold über ein helles Blau und Weiss mit Grau. Eine Wand wird von einem Sonnenrad dominiert, einem Kunstwerk, das Licht und Wärme symbolisiert. Licht ist ein besonderes Motiv in diesem Raum, es wirkt warm und hell. Das Deckenlicht ist dimmbar. Entgegen des grellen Neonlichtes auf den Fluren und in den Zimmern des Spitals ist allein das wie eine Oase.

Trotz Kellerraum nicht dunkel

Es verwundert, dass dies in einem Kellerraum so möglich ist, aber tatsächlich hat man nie das Gefühl, in einen dunklen Raum verbannt worden zu sein. Neben den zarten Sesselchen stehen zwei Holzsockel. Auf dem einen liegt ein Neues Testament, geistliche Texte und die Karte der Spitalseelsorge. Das soll nicht aufdringlich sein und ist es auch nicht. «Der Raum soll keine religiösen Gefühle wecken», so der Spitalseelsorger.

Der Raum der Stille ist für alle da, die ihn brauchen. Das spiegelt auch eine Art Gästebuch wieder, das auf dem anderen Holzsockel liegt. Hier darf hineingeschrieben werden, und ein scheuer Blick in das Buch verrät, dass dieses Angebot gut genutzt wird. Hier liest man von Gefühlen, von Ängsten, von Hoffnung, von allem, was die Seele hergibt. Es ist eine sensible Umgebung, das merkt man in diesem Haus, wo Hoffen und Bangen, Krankheit, Genesung und Tod an der Tagesordnung sind.

Diesen Raum gibt es schon viele Jahre, und doch hatte es sich Daniel Zubler zur Aufgabe gemacht, ihn umzugestalten, als er seine Stelle vor einigen Jahren antrat. Er war in Violett gehalten, ein Regal trennte den ohnehin schon schmalen Raum. Es hing eine Ikone an der Wand, und der Raum versprühte eher Dunkelheit und wirkte wenig freundlich. Zusammen mit dem Sozialdienst machte sich damals Daniel Zubler an die Aufgabe, den Raum umzugestalten. «Eigentlich wäre auch eine kleine Kapelle im Spitalgarten schön gewesen», so die Idee des Pfarrers. Das blieb aber ein Wunsch, und er ist dem Spital dankbar, dass es den Umbau des Raumes unterstützt hat und ihn überhaupt bei all dem Platzmangel zur Verfügung stellt.

Was Stille bedeutet, beantwortet der Theologe schnell: «Regeneration! Es gibt so wenig echte Stille. Stille geht über viel mehr als über die Ohren.» Der Raum soll in seiner religiösen Neutralität eine Atmosphäre für diese Stille schaffen. Dass das gelungen ist, fällt auf, weil es einfach ruhig ist im Raum, obwohl auch das geschäftige Treiben des Spitals durch die Türe dringt.

Dagmar Doll