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Kirche

Karl Barth: Professor, Prediger, Provokateur

Karl Barth gilt als bedeutendster Theologe des 20. Jahrhunderts. Er mischte sich in die Konflikte seiner Zeit ein, wurde verehrt und geschmäht. Fünfzig Jahre nach seinem Tod würdigen ihn eine Ausstellung und ein internationales Karl Barth-Jahr.

Am 10. Dezember jährt sich der Todestag von Karl Barth zum 50. Mal. 1919 ist es zudem hundert Jahre her, seit der Basler Theologe sein erstes wichtiges Buch veröffentlichte: seinen Kommentar zum Römerbrief des Paulus. Die evangelischen und reformierten Kirchen Deutschlands und der Schweiz feiern dies mit einem internationalen Karl Barth-Jahr. Die Eröffnung findet in Basel statt. Hier ist auch die Ausstellung «Karl Barth – Professor, Prediger, Provokateur» zu sehen.

Der Titel der Ausstellung umfasst in drei Worten die Spanne von Barths Schaffen und Leben. Der Theologe, geboren 1886 in Basel, galt schon zu Lebzeiten als Star seiner Zunft. Er blickte 1959 und 1962 von den Titelseiten «Des Spiegels» und des «Time»-Magazins, 1986 prangte sein Kopf auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost. Der Theologe wird von den einen als «Kirchenvater» verehrt, von den anderen als «Ketzer» geschmäht.

Von den Behörden bespitzelt
Karl Barth setzt nicht nur in der Theologie neue Impulse. Sein ganzes Leben mischt er sich politisch ein. Ab 1911 solidarisiert er sich als «roter Pfarrer von Safenwil» mit der Arbeiterschaft im aargauischen Dorf. Als Professor in Bonn widersetzt er sich in den 30er-Jahren den Nationalsozialisten, arbeitet mit an der Barmer Theologischen Erklärung der Bekennenden Kirche und muss Deutschland verlassen. Zurück in der Schweiz bleibt Barth unbequem. Die Behörden bespitzeln ihn. Auch privat geht der Theologe seinen eigenen Weg. Ab 1929 lebt er mit seiner Frau Nelly Hoffmann, den fünf Kindern und seiner Geliebten Charlotte von Kirschbaum unter einem Dach.

Raus aus dem Elfenbeinturm
Die Ausstellung möchte Karl Barth allen zugänglich machen. «Barth wollte kein Wissenschaftler im Elfenbeinturm sein», sagt der Theologe Matthias Gockel, der die Ausstellung kuratierte. Barth habe einen einmaligen beruflichen Weg eingeschlagen als Professor, der zugleich das Amt des Predigers sehr ernst genommen habe, erklärt Gockel. Wie wichtig ihm dies war, zeigte er, als er an der Universität Basel lehrte und lieber im Gefängnis als im Münster predigte. Die Ausstellungsbesucher können sich eine Predigt, die Abschiedsvorlesung von 1962 und Briefe von Barth anhören.

Die Schau zeigt sein Hauptwerk, die «Kirchliche Dogmatik», an der er von 1932 bis zu seinem Tod arbeitete. Dazu bemerkte Barth selber einmal: «Es gibt nicht viele Theologen, die den Mut haben, die ganze ‹Kirchliche Dogmatik› zu lesen.» Viel häufiger täten dies Laien, «die mich dann auch richtig verstanden haben».

Barth hinterlässt Spuren
Die Beschäftigung mit Karl Barth hinterlässt Spuren: Dies erlebte der Zürcher Regisseur Peter Reichenbach, der über den Basler Theologen den Film «Gottes fröhlicher Partisan» drehte. «Ich hatte das Gefühl, ein überzeugter Atheist zu sein. Als ich Barth las, kam alles durcheinander.» Reichenbachs Film zeigt die Ausstellung ebenfalls.

Anhänger in der weltweiten Kirche
Karl Barths Wirkung reicht weit über Europa hinaus. Man kennt und schätzt ihn in den USA, in Japan und Südkorea. Seine Theologie habe in der weltweiten Kirche viele Anhänger gefunden, als es noch nicht üblich gewesen sei, über die Landesgrenzen hinauszuschauen, sagt Matthias Gockel, und weiter: «Barth betrieb keine konfessionelle Theologie. Er beschäftigte sich mit Luther ebenso wie mit dem katholischen Glauben.»

Barth sei nach wie vor aktuell, sagt Georg Pfleiderer, Systematiker und Vorsitzender des Karl Barth-Zentrums für reformierte Theologie in Basel. Sein umfassendes Werk nehme zu den weltpolitischen Konflikten des 20. Jahrhunderts Stellung, zu den Diktaturen, den Weltkriegen, dem Kalten Krieg und der atomaren Bedrohung. Sein Ansatz, dass sich der unbekannte Gott in Christus zeigt, habe für die heutige Zeit eine befreiende Botschaft. Gerade in der digitalen, globalisierten Welt, in der Leistung über alles zählt, rücke Karl Barth den Menschen mit seiner ganzen Würde und Existenz ins Zentrum.

Karin Müller, kirchenbote-online, 26. November 2018

Ausstellung «Karl Barth – Professor, Prediger, Provokateur», ab 10. Dezember, Universitätsbibliothek Basel, Schönbeinstrasse 18–20