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Wirtschaft

Warum die Tannenbäume heuer spät geerntet wurden

Welches Symbol würden Sie wählen, wenn Sie das Wort «Weihnachten» nicht schreiben, sondern zeichnen müssten? Natürlich – den Christbaum. Diese Bäume wachsen zu Hunderten in speziellen Plantagen. Zum Beispiel beim Emmentaler Landwirt Hans-Peter Luder, der von der Christbaumproduktion lebt.

Hinter dem Bauernhof von Hans-Peter Luder im emmentalischen Dorf Bütikofen reihen und türmen sich die Christbäume, alle verkaufsfertig geerntet, die meisten auch schon in ein Netz verpackt zum besseren Transport. Dutzende, ja Hunderte sind es, in allen möglichen Grössen und Sorten. Jetzt, in der Adventszeit, herrscht auf dem Luderhof Hochbetrieb, denn der Hausherr und seine Partnerin Esther Buri sind spezialisiert auf die Produktion von Weihnachtsbäumen. Ihre Plantage bietet ihnen ganzjährig Arbeit und Auskommen; ab Spätherbst bis Weihnachten packen jeweils weitere sechs Personen bei Ernte, Transport und Verkauf mit an.

Hans-Peter Luder (56) ist einer von circa 500 Christbaumproduzenten in der Schweiz – und in seiner Region einer der Grössten. Für seine Bäume stehen ihm zwölf Hektar Kulturland zur Verfügung. «Ich habe eine Fruchtfolge, das hat sich bewährt», erklärt der Landwirt. Zehn Hektar sind mit Bäumen bepflanzt, zwei weitere Hektar tragen während zwei Jahren Gras beziehungsweise Hafer und stehen danach, mit aufgefrischtem Boden, für neue Baumkulturen bereit.

Beginn unter Hochspannung
Heuer waren Luder und sein Team mit dem Erntebeginn spät dran. «Wegen des trockenen Sommers», wie er erklärt. «Die Bäume konnten kaum Wasser aufnehmen; wir mussten noch ein paar Wochen zuwarten, bevor wir sie absägten, sonst würden sie jetzt in den Stuben zu sehr Nadeln lassen.» Was übrigens auch geschehen könne, wenn man sie einem Temperaturschock aussetze – vom eisig kalten Aussenbereich direkt ins geheizte Zimmer.

Bereits sein Vater hatte sich in den 1970er-Jahren mit Rottännchen auf einer anders kaum nutzbaren Waldschneise unter einer Hochspannungsleitung einen Zusatzerwerb geschaffen. Als Hans-Peter 1984 den Hof übernahm, kamen in grösserem Stil die beliebten Nordmannstannen hinzu, die damals fast nur als Importware erhältlich waren. Heute umfasst das in Integrierter Produktion angebaute Sortiment nebst Rotfichte, Weisstanne und Nordmannstanne auch die schlanke Serbische Fichte und die dekorative Blautanne.

Vom Zwerg bis zum Riesen
«Wenn wir einen Baum setzen, ist er bereits 4-jährig; er muss noch einmal 8 Jahre wachsen, bis er 1,5 Meter hoch und erntereif ist», sagt Luder. Die anderthalbmetrigen Bäumchen sind Standard; gefragt sind nebst halbmetrigen Zwergen für den Stubentisch jedoch auch 10-Meter-Riesen zum Beispiel für öffentliche Plätze. Einen stattlichen Anteil der Bäume setzt der Produzent über den Hofverkauf ab, anderes geht in Posten zu mehreren Hundert Stück an Grossverteiler oder wird einzeln an Privatkunden oder Firmen geliefert – denn auch die Bank oder die Versicherungsagentur möchte ihre Schalterhalle weihnächtlich schmücken.

Wer will, kann sein persönliches Bäumchen auf der Plantage bereits im Sommer auswählen; mittels Markierung an einem Zweig und Eintrag auf einem elektronischen Plan spürt es Hans-Peter Luder in der Adventszeit dann treffsicher wieder auf. Apropos Sommer: Auch in der warmen Jahreszeit hat der Baumproduzent genug zu tun. Es gilt, das Gras zwischen den Baumreihen zu mähen, den Bäumchen den Formschnitt zu verpassen und nötigenfalls die Bewässerung in Betrieb zu nehmen. Im Frühling wird gedüngt – biologisch und nach zwei Jahren garantiert nicht mehr mit Jauche. Denn andernfalls, das hat Luder herausgefunden, bindet das Harz den Geruch und setzt ihn später in der guten Stube an Heiligabend wieder frei. «Bschüttigestank ist ja nicht gerade das, was es zu einer besonders feierlichen Stimmung braucht», sagt der Landwirt mit einem Lachen.

Hans Herrmann, reformiert.info, 12. Dezember 2018

Keine Direktzahlungen
Für Weihnachtsbaumkulturen bekommen Landwirte keine Direktzahlungen. Für Tabakplantagen hingegen schon – was Bauer Paul Wälchli aus Oschwand (BE) ungerecht findet. Vor Bundesverwaltungsgericht kam er mit seiner Beschwerde jedoch nicht durch: Aus seinem Vergleich mit dem Tabak könne er keinen Vorteil für sich ableiten, lautet die Begründung. Laut «20Minuten» gibt sich der Landwirt damit nicht zufrieden – umso weniger, als er findet, das Gericht sei nicht konkret auf das Anliegen eingegangen. Deshalb wenden sich Wälchli und zwei weitere Produzenten nun ans Bundesgericht.