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Religionen

Gemeinsam am Netz des Friedens knüpfen

17.12.2018
Im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt stehen Minderheiten zunehmend unter Druck. Eine Studienreise der St. Galler Arbeitsstelle für Weltweite Kirche führte 17 Personen nach Indonesien und ermöglichte interreligiöse Begegnungen mit den lokalen Partnern der Basler Mission 21.

Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Eine kleine Gruppe von Touristen verfolgt die Vorführung des javanischen Meisters des traditionellen Schattenspiels, während Tausende junger Menschen in den Strassen von Yogyakarta zu indonesischem Techno tanzen. Handys werden in die Höhe gehalten, um die Lasershow auf Instagram zu posten. Fast alle tanzenden Frauen tragen das Kopftuch oder sind verschleiert. 

«Die javanische Kultur ist eine Brücke zwischen den Religionsgemeinschaften.»

Fortschreitende Islamisierung

Eine fortschreitende Islamisierung nach arabischem Vorbild führt in Indonesien zu einem zunehmenden Konformitätsdruck, mit Folgen für das Zusammenleben. Obwohl die radikalen Islamisten bloss zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, bestimmen sie die politische Agenda vor allem durch die sozialen Medien. Religiöse Minderheiten geraten unter Druck, die einstige Toleranz steht auf dem Prüfstand. Es drohen gewalttätige Übergriffe oder fadenscheinige Blasphemieanklagen. 

Interreligiöser Dialog 
Wie können Christen unter diesen Voraussetzungen ihren Glauben leben und öffentlich bezeugen? Djoko Prasetyo Wibowo, Direktor für interreligiöse Studien an der christlichen Universität von Yogyakarta, betrachtet den interreligiösen Dialog als unverzichtbar. Dabei gehe es nicht darum, andere zu evangelisieren, sondern mit ihnen die eigene religiöse Erfahrung zu teilen. Begegnung sei das Ziel. Für die Pastorin Lintang Anggraeni ist die javanische Kultur eine Brücke zwischen den Religionsgemeinschaften. Zusammen mit Musliminnen praktiziert sie den traditionellen Tanz und engagiert sich mit ihrer Kirche  in diakonischen Nachbarschaftsprojekten. Als Folge solcher Initiativen schützen Muslime mancherorts die Weihnachtsgottesdienste ihrer christlichen Nachbarn, der Staat ist nur beschränkt dazu in der Lage. 

«Politisch instrumentalisierte Religionen können die Gesellschaft spalten.»

Angesichts der existenziellen Probleme beeindruckte der Optimismus und die Glaubenskraft der indonesischen Partnerkirchen- und Projekte von Mission 21. Die Missionsorganisation setzt in ihren Förderprogrammen auf Dialog und Friedensarbeit und unterstützt auch islamische Partner, wie das Dialogzentrum der islamischen Universität Yogyakarta oder TK3 in Bandung, eine NGO, die sich mutig für Menschenrechte engagiert. 

Mission ist Friedensarbeit
Während sich der moderne Islam vor allem der sozialen Medien bedient, setzen viele Christen auf den Einbezug von traditionellen kulturellen Elementen, um ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft zu unterstreichen. Besonders deutlich wurde dies während eines Gottesdienstes der Universitätsgemeinde in Banjarmasin auf Kalimantan. Über 200 Studierende, mehrheitlich junge Frauen, brachten biblische Inhalte in lokalen Tänzen zum Ausdruck. Uwe Hummel von Mission 21 ist Dozent an der theologischen Hochschule. Er pflegt auch Beziehungen zu islamischen Koranschulen. Für ihn ist Mission Dialog- und Friedensarbeit. Politisch instrumentalisierte Religion könne die Gesellschaft spalten, ein respektvoller Dialog der Religionen könne aber auch helfen, das Netz des Friedens gemeinsam zu knüpfen.

 

Text: | Fotos: Heinz Fäh, Pfarrer und Kirchenrat, Rapperswil-Jona   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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