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Kultur

All Souls startet durch

17.12.2018
Es ist eine kleine Sensation: Nach dreijähriger Projektphase wurde die englischsprachige Gemeinde All Souls in St. Gallen offiziell gegründet.

Heinz Fäh hat das Projekt die letzten drei Jahre mit einem Team an Ältesten (nach der presbyterianischen Tradition werden die Verantwortungsträger «Elders» genannt) begleitet: «Ich fühle mich wie ein Architekt, der den Bewohnern des neuen Hauses nun den Schlüssel übergeben darf.» Von der Projektphase geht es als eigenständige kirchliche Gemeinschaft weiter. Dazu wurde am
30. November ein Trägerverein gegründet und am Sonntag, 2. Dezember fand in einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Mangen (St. Gallen) die Übergabe der Verantwortung an eine neue Gruppe von Ältesten statt.

Eine überregionale Gemeinde
All Souls ist nicht lokal, sondern überregional verankert. Der Trägerverein hat den Namen «All Souls Protestant Church, St. Gallen und Ostschweiz» (ASPC). Wegen dieser Besonderheit und weil die Kirchenordnung für diese Art von Gemeinde keine rechtliche Form hat, gilt All Souls als eine von der Kantonalkirche «anerkannte Gemeinde». Sie wird weiterhin von der Kantonalkirche, den verschiedenen Kirchgemeinden in der Stadt St. Gallen und von den Kirchen beider Appenzell und Thurgau unterstützt, die sich zu einem Patronat unter St. Galler Federführung zusammengeschlossen haben. «Ein Konzept zur Finanzierung ist nötig», sagt Heinz Fäh. «Ein wichtiges Anliegen war aber, dass diese neue Gemeinde auch in der Kirche vernetzt ist.» Er ergänzt: «Die Institution ist nur Mittel zum Zweck. Wir wollen keinen Service anbieten, sondern eine eigenständige englischsprachige Gemeinde schaffen. Dass nun Menschen in All Souls ihr spirituelles Daheim gefun­den haben, ist das eigentliche Ziel unserer Vision.»

Kirche als Geburtshelfer
Pfarrer der Gemeinde All Souls ist Scotty Williams. Der gebürtige Amerikaner aus Louisiana, der mit seiner Frau Maria der Gemeinschaft dient, sieht All Souls mehr als Bewegung denn als Kirchgemeinde. «Die Kirche ist von den Menschen und nicht etwa nur für die Menschen. Wir gestalten Kirche gemeinsam.» Dieser persönliche Bezug und eine entschieden offene Kultur prägen die Gemeinschaft. «In den letzten Jahren haben wir so etwas wie eine eigene DNA im Miteinander entwickelt. Das ist unsere Identität. Damit arbeiten wir jetzt weiter. Andere Gemeinden werden ihre ganz eigene DNA finden müssen.» So wie die Kantonalkirche Geburtshelfer für Projekte wie All Souls sein kann, so kann All Souls aus den eigenen Erfahrungen auch für andere Gemeinden Impulse generieren. «Wir suchen die beste Form für die aktuelle Gemeinschaft, schauen aber auch über den eigenen Tellerrand hinaus, wie wir Teil der grösseren Kirche sein können.»

A new beginning
Hannes Schmidt ist Präsident des neuen Vereins. «Mich hat das beziehungsorientierte Konzept von All Souls und die moderne Interpretation überzeugt. Es ist eine tolle Gemeinschaft.» Seit zwei Jahren sei er dabei. Ellie, seine Frau, ist Amerikanerin und über diese Verbindung fand die Familie zu All Souls. Andere Mitglieder leben für einige Jahre in der Schweiz oder studieren für ein Semester an der Uni in St. Gallen. Wieder andere haben selbst einige Jahre in englischsprachigen Ländern gewohnt. «Es ist eine besondere Stimmung», sagt Schmidt. «Das Format dieser Gemeinde erlaubt Entwicklung.» Wohl wegen dieser Haltung hat man den festlichen Auftakt unter den Titel «All Souls – a new begin­ning» gestellt. Man ist nicht angekommen, sondern hat gerade erst den Startschuss gehört.

www.allsouls.ch

 

Text: Karsten Risseeuw | Foto: Augustin Saleem   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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