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Gesellschaft

Sparfuchs und Barfussdoktor

17.12.2018
Für Hans Rohner ist das Sparen von Energie ein Sport. Sein Motto: Sparen ist verdienen. Sein ökologischer Fussabdruck ist sehr klein. Er recycelt praktisch alles; Neues kauft er fast nie, auch keine Bücher. Nachhaltigkeit, Ehrfurcht vor der Natur, Respekt gegenüber Tieren und Pflanzen – nicht Geiz – sind seine Beweggründe.

Er ist ein in der Wolle gefärbter Ur-Appenzeller, Chiropraktiker, Original, Naturfreund, Hobby-Historiker, Bibliothekar und liebenswürdiger Chaot. In der ganzen Region ist er bekannt als Barfussdoktor; in Zürich kennt man ihn als Bahnhofjodler im Appenzeller Hääs.

Seine Patienten nötigte er geradezu, Mitglied bei Pro Natura zu werden.

Sein Berufswunsch war Arzt. Ein «Doktor» ist er geworden, ein DC, «Doctor of Chiropractic». Als einer der ersten Schweizer studierte er in Toronto Chiropraktik. In Speicher eröffnete er die erste Chiropraktikpraxis im Appenzellerland. Später zog er nach Teufen. Hier baute er mit Hingabe Biogemüse und Früchte an.

Barfuss in löchrigen Schuhen 
Barfuss ging er seit einer Erfahrung mit löchrigen Schuhen in Kanada: Er besass sehr wenig Geld und fand «wunderschöne» Schuhe mit intaktem Oberleder – und riesigen Löchern in den Sohlen. «Darin konnte ich keine Socken tragen; ich musste barfuss gehen», lacht er.
Er hatte nie ein Auto, nie ein Handy, keinen Schnickschnack. Liebe Hobbys sind, als Schwarzfahrer mit der Appenzellerbahn zu reisen und das Gesetz auszureizen: Auf dem Freudenberg bei Altstätten baute er einen Schafstall zum Schlafstall und Feriendomizil aus. Dort hielt er auch Hühner. Das trug ihm jahrelangen «Zoff» mit den Behörden ein. Für ihn war das «Action». Er braucht kein Kino.

Meistens sieht man ihn in braunen Hosen, Edelweisshemd und Hosenträgern. Alles Appenzellische ist ihm kostbar. Als mal ein Hund bellte, fragte er empört: «Was bellt denn da?» Die Antwort: «Ein Appenzeller Bläss.» Rohner darauf: «Der darf bellen.»

Lieblingstier «Glögglifrosch»
Seine Patienten nötigte er geradezu, Mitglied bei Pro Natura zu werden. Sein Lieblingstier ist der «Glögglifrosch», die gefährdete Geburtshelferkröte. Im Oberstall ob Altstätten wertete er das Ried ökologisch auf. Dafür erhielt er 2002 einen Anerkennungspreis von Pro Natura.
Mit Begeisterung sammelte er «Appenzellica»: Bücher und Antiquitäten. In Speicher führte er ein Hol- und Bringlädeli für Bücher. Im Finden ist er Meister. Aus einer Mulde rettete er die Underwood des Schriftstellers Peter Morger mit der Aufschrift «Intelligente Schreibmaschine». Die Eingangstür des «Ochsens» in Teufen nahm er beim Abbruch mit und befestigte sie an seiner Hauswand. Seine Leidenschaft sind kostbare alte Stiche und Landkarten, Bibeln aus dem 17. und Appenzeller Kalender aus dem 18. Jahrhundert.

Menschen mit einem derart geringen ökologischen Fussabdruck gibt es heute fast nicht mehr. Am 21. Januar 2016, einen Tag vor seinem 82. Geburtstag, verstarb Hans Rohner in seinem Haus in Niederteufen.

 

Text: Margrith Widmer, Teufen | Foto: zvg   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 

Jugend im Krieg

Jean Marcel (Hans) Rohner wurde in Colombey-les-Deux-Eglises geboren. Die Eltern, emigrierte Appenzeller, bauten Gemüse an. Der Vater war Chauffeur von Charles De Gaulle (1890 – 1970), bis dieser nach dem Fall Frankreichs nach Grossbritannien emigrierte.

Rohner wuchs als Ältester mit drei Geschwistern auf. Im besetzten Frankreich musste der Vater der Wehrmacht Gemüse liefern. Marodeure witterten darin «Collaboration». Als die Alliierten 1944 näher rückten, überfielen sie Rohners Haus und entführten die
Mutter. Die Wehrmacht nahm Vater und Kinder auf dem Rückzug mit bis ins Elsass. Die Mutter wurde von den Marodeuren ermordet. (mw)


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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