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Leben & Glauben

«Der Vers fällt mir immer wieder ein»

17.12.2018
Früher bestimmte der Pfarrer und wählte einen Vers. Doch Ute Rendar aus Rorschach hadert nicht mit ihrem Konfirmationsspruch «Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.» – im Gegenteil. «Er passt total zu mir, ich kann mich mit ihm identifizieren.» Mit diesem Beitrag beginnt der St. Galler Kirchenbote mit der neuen Serie «Mein Konfirmationsspruch».

Oft stelle sie sich bei ihrem Tun die Fragen: «Kann ich das, was ich mache, mit meinem Herzen vereinbaren? Kann ich mich für diese oder jene Sache verbürgen? Ist es richtig, was ich tue? Ist dies mein Weg?» Das Wort «rein» im Vers aus der Bergpredigt «Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen» ist für die Rorschacherin nichts anderes als Ehrlichkeit zu sich selbst und gegenüber andern. Dazu bedürfe es aber immer wieder des Hineinhorchens in sich selbst, des Spürens und der Stille. «Und dann hörst du, ob es die Wahrheit ist, die in Verbindung mit Gott steht.» So war es 1994. 

Es war richtig, zu gehen 

Ute Rendar fuhr nach Berlin zu Freunden. Doch sie fühlte sich innerlich zerrissen, konnte sich nicht aufs Fest einlassen. Irgendetwas liess sie nicht los, bis sie spürte, dass sie, statt zu feiern, zu ihrem Vater fahren musste. «Bei diesem Entscheid hatte ich plötzlich Frieden im Herzen.» Zu Hause angekommen, wurde Ute Rendar versichert, dass ihr Vater nicht todkrank sei. Sie aber blieb, und am dritten Tag starb der Vater. «Es war ein Geführtwerden, ein Leiten. Ich glaube, dass wir Zeichen bekommen, durch Menschen oder durch Ereignisse oder in meinem Fall durch ein Gefühl.»

Ein Kompass
Die Musikerin wählte letzthin als Monatslied «Weite Räume meinen Füssen». Da heisst es: «Bleib’ Kompass, bleibe Richtschnur!» Die Konfirmationskarte ist für Ute Rendar denn auch mehr als ein Dokument. «Mir ist es wichtig, empfänglich zu sein für Wegweiser. Das verbinde ich mit ‹reinen Herzens sein›.

 

Text: Katharina Meier | Foto: Patrick Marchlewitz   – Kirchenbote SG, Januar 2019

 

Neue Serie

Mit der Rubrik «Mein Konfirmationsspruch» beginnt der Kirchenbote eine neue Serie. Sie will zeigen, welche Beweggründe zur Auswahl dieses einen Bibelzitates führten und welchen Belang es heute noch für die betreffende Person hat. Gleichzeitig freut es uns, wenn Sie uns Ihren Konfirmationsspruch per Post oder E-Mail zusenden, mit wenigen Angaben zu Ihrer Person und zur Bedeutung des Konfirmationsspruches für Sie. Die Beiträge erscheinen dann auf unserer Homepage. (meka)

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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