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Kultur

«Die Wege des Herrn»: Der Pfarrer, der mit sich und der Welt hadert

Die Serie des dänischen Autors Adam Price beleuchtet schonungslos den Zusammenprall von christlichen Kirchenwerten und dem modernen Leben. Ab Januar läuft die Serie auf SRF.

Der dänische Drehbuchautor und Regisseur Adam Rice hat mit «Die Wege des Herrn», eine Serie geschaffen, die von familiären Verstrickungen erzählt und dabei eines stets im Zentrum behält: den Glauben.

Der Vater Johannes Krogh (gespielt von Lars Mikkelsen) ist ein ausgezeichneter Pastor, scheitert aber in seinem Privatleben jämmerlich. Er trägt die 250-jährige Pfarrertradition seiner Familie weiter und verfolgt beharrlich sein Ziel, wieder mehr Menschen in die Kirche zu bringen. Der gewalttätige und alkoholabhängige Familienvater stürzt sich nach seiner Nichtwahl zum Bischof von Kopenhagen in die Misere und offenbart den Zuschauerinnen und Zuschauern seine dunkelste Seite: Alkohol, Depression und Zweifel.

Der Nichtsnutz und der brave Sohn
Der dänische Schauspieler Lars Mikkelsen spielt den Pastor grandios. Für seine Rolle erhielt er den International Emmy Preis als bester Hauptdarsteller. Auch die restlichen Figuren der Serie überzeugen: Der nichtsnutzige Sohn Christian (Simon Sears), der sein Theologiestudium abbricht, bei einem Abschlussexamen in der Business-School schummelt, findet im Buddhismus zu Gott und einen Weg, mit seinem Vater abzurechnen.

Anders sein jüngerer Bruder August (Morten Hee Andersen): Er tritt in die Fussstapfen seines Vaters, ist kurz davor, Pfarrer in der grössten Kirche Kopenhagens zu werden und eine Familie zu gründen. Doch als er aus einem Einsatz als Militärpfarrer aus dem Nahen Osten zurückkehrt, gerät sein Leben aus den Fugen.

Grauenhafter Vater und erbämlicher Ehemann
Die beiden Söhne leiden unter ihrem brachialen Vater, der sie als Kinder geschlagen hat und ihnen die Bürde auferlegt, ebenfalls einen direkten Zugang zu Gott zu finden. Doch die Nächstenliebe, die Johannes so emotional und mitreissend in seiner Kirche predigt, die bleibt im Pfarrhaus so ziemlich auf der Strecke. Johannes ist nicht nur ein grauenhafter Vater, sondern auch ein erbärmlicher Ehemann, der seine Frau Elisabeth (Ann Eleonora Jørgensen) betrügt.

Im Zentrum der Serie steht die Vater-Sohn-Beziehung. Die weiblichen Aspekte kommen in der Serie eher kurz. Dies geschehe bewusst, wie der Serien-Autor Adam Price im Interview mit arte sagt. In seiner vorherigen erfolgreichen Serie «Borgen – Gefährliche Seilschaften» standen die Frauen im Fokus. Die Serie «Die Wege des Herrn» sei nun eine Serie über die sinkende Macht der Männer, sagt der Däne gegenüber arte.

Biblische Motive und Zungenreden
In der zehnteiligen Serie kommen immer wieder biblische Motive zum Zug. Die Mitglieder der Pastorenfamilie hadern mit sich selber und ihrem Glauben. Die einen suchen Hilfe bei Gott und in der Gemeinschaft, die anderen kehren der Kirche den Rücken zu.

Diese Herausforderung, vor der die Kirche heute steht, wird in der Serie ebenfalls beleuchtet: wie christliche Werte mit der modernen Lebensrealität in Einklang zu bringen sind. Der Pastor Johannes hat damit zu kämpfen, dass seine Kirchen in Kopenhagen aufgrund des Mitgliederschwundes geschlossen werden.

Die Serie bleibt während zehn Stunden zutiefst menschlich. In Erinnerung bleiben die lauten und imposanten Szenen, die vom Gespräch mit Gott handeln, von Jenseitsvisionen, vom brennenden Dornbusch oder dem Zungenreden. Die Serie hallt nach, stellt Fragen an die eigene Spiritualität und weckt die Neugier, was wohl in der zweiten Staffel geschehen wird.

Nicola Mohler, reformiert.info, 30. Dezember 2018

Die Koproduktion zwischen dem dänischen Sender DR und arte France läuft ab dem 2. Januar auf SRF
Trailer