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Religionen

Ritual gegen rote Köpfe

21.01.2019
Vor 20 Jahren hat sich die St. Galler Synode mutig für eine Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen.

Wer sich über etwas aufregt, zeigt ungewollt, wie sehr er mit diesem Etwas ringt. Helikopter-Eltern zum Beispiel, die sich über die Schule ärgern, aber daheim nicht klar kommen mit dem Nachwuchs, der so ganz anders will, als sie. Frust über eigenes Unvermögen muss raus. Am besten zum Sündenbock. Jesus hat solche Pharisäer, mal mit einem einzigen Satz auf ihren blinden Fleck hingewiesen: «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!» Es scheint also recht hilfreich, bei Erregung immer auch den eigenen Schatten zu sehen. 

Vielsagend, deplatziert
Mit der Aufregung um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verhält es sich ähnlich. Die roten Köpfe sind so vielsagend wie deplatziert. Seit der Reformation gilt die Ehe als «weltlich Ding», als säkularer Vertragsschluss also, befreit von ihrer sakramentalen Überhöhung. Ehen werden auf dem Standesamt geschlossen. In der Kirche können zwei, die einander anvertraut sind und das Wagnis ihrer Zukunft aus Gottes Hand nehmen mögen, um seinen Segen bitten. 

«Was Pharisäer ‹Sünde› nennen, legt das Ritual liebevoll in Gottes Hand.»

Vor 20 Jahren hat die St. Galler Synode daher beschlossen, dass Pfarrerinnen und Pfarrer Menschen in speziellen Situationen gottesdienstlich begleiten können. Man dachte an Adoption, Schuleintritt, Ehejubiläum, Pensionierung, Ehescheidung und namentlich an Partnerschaften von Personen gleichen Geschlechts. Ein damals recht mutiger Entscheid der Gleichberechtigung, lange vor dem Staat.

Rituale öffnen und bringen Kontakt
Rituale bringen Ordnung und Sinn ins Leben. Sie erinnern, was uns Verbundenheit, Heiligkeit und Lebensfreude bedeuten. Sie öffnen für den belebenden Geist. Sie bringen einen in Kontakt mit dem Jenseits, könnte man sagen. Darum werden sogar Schiffe «getauft». Und Häuser «gesegnet». Und Skigebiete «vermählt». 

Wer fühlt sich da berufen, zwei liebenden Menschen das Ritual zu verweigern? Als Vergleich: Zuweilen werden Menschen zu Grabe getragen, wo es schwerfällt, Liebevolles zu sagen. Sie werden trotzdem in Würde bestattet. Das ist Christenpflicht. Und all das, was Pharisäer «Sünde» nennen, legt das Ritual liebevoll in Gottes Hand. Wen’s stört, der soll den ersten Stein werfen. Bildlich gesprochen, natürlich. Nur, um den eigenen Schatten zu sehen. 

 

Text: Reinhold Meier, Wangs | Foto: Ingimage  – Kirchenbote SG, Februar 2019

 

Das Gewissen befragen

Es ist selbstverständlich, dass Taufe, Hochzeit und Bestattung nicht gegen das Gewissen des handelnden Pfarrers durchgeführt werden können. Bei «Segensfeiern» für gleichgeschlechtliche Paare» wurde das sogar ausdrücklich festgehalten. «Pfarrpersonen sollen nicht gegen ihre Überzeugung dazu gezwungen werden», erinnert Kirchenratspräsident Martin Schmidt an die Regelung von 1998. «Der kantonale Kirchenrat unterstützt diese Gottesdienste jedoch durch Information und Wegleitung», heisst es. In Gottesdiensten seien alle Menschen willkommen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. (rem) 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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