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Kirche

«Unsere Politik beeinflusst das Leben in anderen Ländern»

Jochen Kirsch wird neuer Direktor von Mission 21. Der Theologe über die Schwierigkeiten von NGOs und die Vorurteile über die Mission.

Der Direktor eines so traditionsreichen Missionswerkes zu werden, sei für ihn eine grosse Ehre und ein Privileg, sagt Jochen Kirsch. Für den Pfälzer ist Mission 21 Teil seiner Familiengeschichte. Schon seine Grossmutter ging im südpfälzischen Landau von Haustür zu Haustür und sammelte Geld für die Basler Mission.

Im Juni wird Jochen Kirsch an der internationalen Synode in sein Amt eingesetzt. Er tritt damit die Nachfolge von Claudia Bandixen an, die in Pension geht. Bandixen hat das älteste Hilfswerk der Schweiz stabilisiert und massgeblich geprägt. Mit Jochen Kirsch setzt der Vorstand auf einen internen Kandidaten. Der Theologe ist bei Mission 21 Abteilungsleiter Internationale Beziehungen.

In den 80er-Jahren politisiert
Kirsch stammt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Speyer. Die Eltern sind Lehrer. Als Jochen 14 Jahre alt ist, zieht die Familie nach Groningen in die Niederlande. Es sind die 80er-Jahre, die Zeit der Friedensbewegung und des Nato-Doppelbeschlusses. Jochen Kirsch engagiert sich, demonstriert gegen die atomare Aufrüstung und wird politisiert. «Mir wurde damals bewusst, wie unsere Politik und unser Konsumverhalten das Leben in anderen Ländern beeinflussen», meint er heute.

Einsatz in Kenia
Nach dem Abitur will Kirsch Verantwortung übernehmen, Politik mitgestalten. Er wird Mitarbeiter bei einer internationalen NGO, dem Institute for Cultural Affairs. Als einziger Weisser lebt er in Kenia unter Afrikanern. Er ist für die Gesundheitsversorgung in den Dörfern zuständig. Der Einsatz macht dem Deutschen bewusst, er kann im Süden als Weisser nicht mehr erreichen als seine afrikanischen Kollegen. Er sieht seinen Ort daher im Norden, denn dort werden wesentliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gesetzt für das Leben der Menschen. 

Zurück in Europa studiert Jochen Kirsch Theologie in Heidelberg, Edinburgh und Aberdeen. Er arbeitet zehn Jahre lang in einer Kirchgemeinde in der Pfalz. Als Pfarrer mit der Aufgabe weltweite Ökumene pflegt er Kontakte zu Ghana und der Basler Mission. 2004 tritt er die Stelle als Programmverantwortlicher bei Mission 21 in Basel an.

Falsche Vorstellungen
Die Mission habe in Europa einen negativen Beigeschmack, sagt der zukünftige Direktor von Mission 21. In den hiesigen Köpfen herrschten noch die Bilder von weissen Missionaren vor, welche die Kulturen in Übersee zerstörten. «Das ist als pauschale Aussage falsch», sagt Kirsch. «Gerade die Basler Mission und die Herrnhuter haben sich gegen die Sklaverei und Unterdrückung der Einheimischen durch die Kolonialherren gewehrt.» Deshalb geniesse Mission 21 bis heute in Afrika und Asien einen guten Ruf und hohen Respekt. Jochen Kirsch will diese Tradition weiterführen. Die christliche Botschaft besagt, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion als Gottes Geschöpfe die gleiche Würde haben. «Daran wollen wir mit unseren Partnerkirchen festhalten, auch wenn heute die Populisten das Wort führen.»

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 19. Februar 2019