Logo
Kirche

Entwicklung möglich machen

Werkzeuge und Mentalitäten statt Besserwisserei: Der katholische Priester Christian Hennecke kommt Ende März in den Thurgau, um über Kirchenentwicklung zu sprechen. Beim Thema Wandel spielten Konfessionsgrenzen keine Rolle.

«Die Fragen des Wandels, die uns als Christen bewegen, sind nicht konfessionell», sagt Christian Hennecke. Der katholische Priester ist viel unterwegs – weltweit. Er ist überzeugt, dass Kirchgemeinden auch über die Konfessionsgrenzen hinaus voneinander lernen können: «Es geht um einen breiten Austausch und ein Teilen der Erfahrungen und Perspektiven.»

Kein «blinder» Aktivismus
Erfahrungen und Perspektiven austauschen möchte der Theologe Ende März 2019 auch im Thurgau. Einerseits wirkt er an der Tagung zur Kirchenentwicklung der Evangelischen Landeskirche Thurgau mit. Andererseits referiert er im Rahmen des Seminars «Alte Schätze – neue Wege» in der Kartause Ittingen, das vom Tecum organisiert wird. Das Seminar richte sich an Gemeinden des Aufbruchs, sagt Tecum- Leiter Thomas Bachofner. In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft immer schneller verändere, müssten sich auch die Kirchen auf die neuen Entwicklungen einstellen. Dabei gehe es aber nicht um «blinden» Aktivismus. «Im Zentrum steht eine geistliche und theologische Erneuerung, die aus den alten Schätzen unserer Tradition lebt und nach neuen Wegen sucht.» Christian Hennecke macht in zahlreichen Kirchgemeinden die Erfahrung, dass viel Kraft investiert wird, eine als golden empfundene Vergangenheit zu erfahren. «Das begrenzt den Blick und lähmt.» Gemeinden im Aufbruch seien solche, die, vertrauend auf Gottes Geist, wahrnähmen, wie das Evangelium heute verkündet werden wolle. «Kirche wächst dann – vielleicht auch in neuen Formen –, wenn wir entdecken, wie der Geist Gottes heute bewegt, und wo wir die Segel in den Wind des Geistes setzen.»

Überkonfessionell inspiriert
Hennecke betont: «Überall, wo in der Weltkirche – katholisch, evangelisch wie freikirchlich – neue Aufbrüche entstehen, hängt das an einer Leidenschaft für das Evangelium, an einem tiefen Hören auf die Stimme des Geistes und an einer Leidenschaft für die Mitmenschen.» Beim Kirchenentwicklungsprozess in seinem eigenen Bistum im deutschen Hildesheim habe er sich beispielsweise von der anglikanischen Aufbruchsbewegung «fresh expressions » oder den katholischen «communautes locales» in Frankreich inspirieren lassen. Den Thurgau kenne er noch nicht so genau, gibt Hennecke zu. Er habe aber ohnehin nicht die Absicht, besser zu wissen, was im Thurgau nötig ist. «Im Gegenteil: Es geht mir darum, Werkzeuge, Instrumente und Grundhaltungen ins Spiel zu bringen, die eine Kirchenentwicklung vor Ort durch das Volk Gottes im Thurgau ermöglichen können.»


«Wir sind die Kirche»: Tagung zur Kirchenentwicklung, Samstag, 30. März 2019. «Alte Schätze – neue Wege»: Seminar für Gemeinden des Aufbruchs, Sonntag, 31. März und Montag, 1. April 2019. Infos und Anmeldung: www.tecum.ch


(Cyrill Rüegger, 1. März)


Kommentar erstellen