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Religionen

«Nur keine langweilige Theologie!»

100 Jahre alt? Sei's drum! Karl Barths Kommentar zum Römerbrief erschien erstmals 1919 und ist heute aktueller denn je. Einige Thurgauerinnen haben ihn unter die Lupe genommen.

Wer sich in den Kommentar Karl Barths zum Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom ohne Vorurteil vor dem «garstigen Zeitgraben » einliest, wird kaum zu anderem Schluss kommen können. Unerschrockene Rede von Gott begegnet dem Lesenden in den Worten, die um das Verstehen der Bibel in den Spuren reformatorischer Erkenntnis ringen. Die biblischen Schriften gehen uns an, sie haben mit unserem Leben zu tun und wollen zugleich aus der Zeit ihrer Entstehung verstanden werden. Mit diesem Anspruch veröffentlichte Barth als junger Pfarrer seinen Kommentar zum Römerbrief vor 100 Jahren. Sein Werk motiviert zugleich die Auseinandersetzung mit den Strömungen der damaligen Theologie.

Mehr Liebe
Barth positioniert sich: «Einen Autor verstehen, heisst für mich vor allem zu ihm stehen, ihn in jedem Wort ernst nehmen, solange er nicht den Beweis geliefert, dass er dieses Zutrauen nicht verdient, um ihn dann von innen nach aussen zu erklären», so legt Karl Barth in seinem ersten Vorwortentwurf Rechenschaft über sein Bibelverständnis ab. «Das vorliegende Buch ist ein Versuch, anders in der Bibel zu lesen.... Gefragt: inwiefern anders? möchte ich antworten: Sachlicher, inhaltlicher, wesentlicher, mit mehr Aufmerksamkeit und Liebe auf den Sinn der Bibel selbst eingehend.» Zeitgleich mit dem Wechsel aus dem Pfarramt in Safenwil zum Lehramt an der Justus- Liebig-Universität in Göttingen erscheint 1922 der Römerbriefkommentar in zweiter Auflage, bei der, so Barth im Vorwort, «sozusagen kein Stein auf dem anderen geblieben ist.» Weitergedacht. Völlig überarbeitet. Pointiert. Das Gründungsdokument der Dialektischen (zweipoligen) Theologie: «Gott ist im Himmel und du auf Erden. Die Beziehung dieses Gottes zu diesem Menschen» (und umgekehrt) «ist für mich das Thema der Bibel.... .»

Unerschrocken und entwicklungsbereit
Furchtlosigkeit gehörte zu Karl Barth. Die Karten offenlegen, das sei keine Frage gewesen – «auch, wenn sich damit die begründete Aussicht auf akademische oder politische Isolation verband», so auch die Einschätzung des Zürcher Theologieprofessors Konrad Schmid. Auch im Gefolge von «Der Römerbrief. II» sollten die Dispute und auch das Alleinsein nicht ausbleiben. Der Kommentar und sein Verfasser ermutigen bis heute, um die Wahrheit der Schrift zu ringen und zugleich die Demut der eigenen unvollkommenen Erkenntnis immer neu buchstabieren zu lernen.


Erfahren Sie mehr über Karl Barths Kommentar zum Römerbrief: «Als ein Landpfarrer die Welt auf den Kopf stellte»


(Karin Kaspers-Elekes, 25. Februar 2019)


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