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Gesellschaft

Eine Brücke zur säkularen Welt

Rosemarie Hoffmann, Pfarrerin in Ruhestand aus Steckborn, sagt, wie sie ihren seelsorglichen Dienst versteht.

«Wir leben in einer nutzenorientierten Welt. Menschen, denen Schreckliches widerfahren ist, Schmerz, Krankheit, Armut, Ausgrenzung, unheilbares Leid, passen nicht so gut zum Ideal vom mündigen Schicksal des modernen Menschen. Seelsorge beschäftigt sich mit Sinnfragen und mit der Zerbrechlichkeit des Lebens. Beispiele dafür sind Tod, Krankheit, Sterben und Leiden, die heute gern verdrängt werden. Seelsorge bietet Raum, Schmerzliches zu benennen. Sie ist klar unterschieden von säkularer Beratung. Sie sieht den Menschen in der Einheit von Geist, Körper und Seele als Geschöpf Gottes. Es ist der einmalige unverwechselbare Mensch, den Gott mit Namen kennt. Die starken biblischen Geschichten, Psalmen und Lieder schenken Trost und Hoffnung in hoffnungsloser Situation. Die Botschaft von Glaube, Liebe, Hoffnung schliesst den interdisziplinären Dialog nicht aus, sondern fördert ihn. Mir persönlich wird die Stärke der Seelsorge ganz besonders an nichtchristlichen Orten bewusst. Wo Effizienz gefragt ist, da ist es besonders wohltuend, Zuwendung zu verschenken, ja zu verschwenden. In der Liebe wird manches verschwendet und doch nichts vergeudet. Mir ist es wichtig, Menschen anzunehmen wie sie sind, zuzuhören und ihnen heilsam zu begegnen: dem Sterbenden, dem Schwerkranken, dem Leidenden, dem Andersgläubigen… Seelsorge ist für mich ein Handlungsfeld der Kirche und eine Brücke zur säkularen Welt.»


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