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Kultur

Eine Totenmesse zum Reformationsjubiläum

Die Kirchenchöre La Capella Schaffhausen, cantemus Rafz und der Hochrhein-Kammerchor bringen zum Reformationsjubiläum eine Totenmesse in Musik, Wort und Tanz auf die Bühne.

Totenmessen kommen in der reformierten Tradition nicht vor. Hanspeter Jud, Leiter der Kirchenchöre La Capella Schaffhausen und cantemus Rafz, hat dies gereizt, um eine solche auf die Bühne zu bringen: Das Requiem von Domenico Cimarosa (1749–1801), der das Werk kurz vor seiner Berufung nach Russland im Auftrag von Katharina II. schuf, als die Gattin des Botschafters von Neapel gestorben war.  

«Wir von La Capella und cantemus, zusammen mit Mitgliedern des Hochrhein-Kammerchors, wollten etwas zum Reformationsjubiläum beitragen. Da dachte ich, warum nicht ein Requiem im reformierten Umfeld?», erzählt Hanspeter Jud und fügt an:  «Der Gedanke, was ein gegenreformatorischer Text in reformierter Umgebung auslöst, hat mich fasziniert. Ich möchte das Publikum aufrütteln und zum Nachdenken anregen.» 

Im Original war das Requiem nur für Streicher, zwei Hörner und Orgel orchestriert. Der Schaffhauser Musiker Urs Pfister instrumentierte das Werk deshalb zusätzlich für Oboe, Fagott und Querflöte. «Urs Pfister hat nicht die Noten verändert, aber die Stimmen anders zugeteilt, sodass das Ganze nun ein sehr farbiges Bild ergibt», erläutert Hanspeter Jud. Das Orchester besteht aus Berufsmusikern der weiteren Umgebung Schaffhausens und Zürichs. Den vierstimmigen Chorsatz bestreiten La Capella und cantemus, ergänzt durch Sängerinnen und Sänger des Hochrhein-Kammerchors. «Die Herausforderung ist, das breite Spektrum vom Profisänger bis hin zu Laienchorsängern zusammenzuführen», sagt Jud. Die Gesangssolisten treten aus dem Chor, um ihre Passagen zu singen: «Sie sind bewusst als Glanzlichter im Chorwerk gesetzt.»

Musik, Tanz und Wort
Auf der Bühne stehen auch drei Tänzerinnen der Berner Tanzkompagnie Caméléon-Danse. Unter der Leitung von Sabrina Jud interpretieren sie die Passagen aus dem Text tänzerisch. Als Sprecher zwischen Musik und Tanz wirkt Wolfram Kötter. «Ich moderiere, was gesungen und getanzt wird, und bringe beides in den Texten zusammen.» Dieses Zusammenspiel von Musik, Tanz und Wort sei für alle Sinne spannend: «Das Publikum nimmt auf mehreren Ebenen wahr, was geschieht. Das führt zur Frage: Was macht das mit mir? Wo taucht das Requiem in meinem Leben auf?»

Das letzte Gericht
Eine Totenmesse sei ein gesungener Gottesdienst für jemand Verstorbenen, der existenzielle Fragen stelle: «Der Text fordert jeden von uns auf, auf unser Leben zu schauen, weil wir eines Tages Rechenschaft ablegen müssen vor Gott. Das ist eine Frage, die in der Musikgeschichte und in der Kunst immer wieder auftaucht: ob wir vor dem Gericht bestehen können», erläutert Wolfram Kötter den Inhalt des Requiems. 

«Das ganze Requiem läuft darauf hinaus, dass das Gericht Gottes Gültigkeit hat. Wir stellen das Gericht als Selbsterkenntnis dar. Die Welt erfährt die Wahrheit über sich selbst. Und der Mensch sieht sein Leben im Licht Gottes.» Schliesslich endet das Requiem mit der Bitte um Gnade und Barmherzigkeit: «Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux perpetua luceat eis, cum sanctis tuis in aternum», singt der Chor. «Gib ihnen die ewige Ruhe, Herr, und das ewige Licht leuchte ihnen.» 

Adriana Schneider, 3. Juni 2019

Aufführungen: Samstag, 29. Juni, 19 Uhr, Münster Schaffhausen, Sonntag, 30. Juni, 17 Uhr, Kirche Wil/ZH