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Politik

Tausende Frauen demonstrierten

In Schweizer Städten gingen Hundertausende Frauen und wenige Männer auf die Strassen um gegen die Benachteiligung von Frauen zu demonstrieren. Die Stimmung war fröhlich – obwohl die Gründe für den Anlass himmeltraurig sind. Besuch am Frauenstreik Aarau.

Führungen, pinke Bischofsmützen basteln, Manifest am Stadtmuseum aufhängen: Der Frauenstreiktag in Aarau am Freitagnachmittag begann friedlich mit in der Stadt zunächst vereinzelt auftauchenden Frauengruppen. Rasant füllte sich dann aber die Stadt mit immer mehr Frauen in lila und rosa Kleidern und mit zusammengerollten Fahnen und Transparenten unter den Armen.

Kurz vor 15.30 strömten sie alle zum Sitzstreik auf dem Schlossplatz, zu dem die Aargauischen Landfrauen zusammen mit den Katholischen Frauen Aargau aufgerufen hatten. In Grüppchen sassen einige Hundert Frauen auf dem Boden und den Treppen, die katholischen Frauen, die Landfrauen, Pflegende aus dem Gesundheitssektor, Gewerkschafterinnen und viele Frauen mehr, die allein, zu zweit oder mit mehreren dazu stiessen.

Die Katholikinnen fielen mit ihrem Outfit besonders auf: Sie trugen ihre gebastelten Bischofsmützen und Gummistiefel, als Symbol dafür, dass sie «endlich aus dem Kirchensumpf waten» wollten. Denn für sie ist der Frauenstreik auch ein Frauenkirchenstreik, der am Samstag und Sonntag in und um Kirchen fortgeführt wird.

Männer schauten zu
Punkt 17.15 Uhr setzte sich ein langer Demonstrationszug in Bewegung, dem sich immer mehr Menschen anschlossen und der schliesslich auf einige Tausend Menschen anwuchs. Während vorne Slogans wie «Wenn Frau will, steht alles still!» oder «Ahzelle Bölle schele, here mit de Fraue-Chöhle» gerufen wurden, war der hintere Teil geprägt von Unterhaltungen und Gelächter. Männer fühlten sich offenbar nicht angesprochen von der Demo, es waren kaum welche zu sehen, und jene, die am Strassenrand standen liessen sich auch durch «Mitspaziere! Solidarisiere!» nicht überreden.

Zurück auf dem Schlossplatz gab es mehrere Reden mit Vertreterinnen aus der queer-Bewegung, Kirche, von Migrantinnen und dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund. Es ging um die altbekannten Themen, die Frauenorganisationen und linke Parteien seit Jahren anprangern: Häusliche Gewalt, Sexismus, Lohnungleichheit. Immer wieder wurden sie von lautem Applaus oder (zustimmenden) Buh-Rufen unterbrochen. Der Frauenstreik mobilisierte unglaublich viele Frauen. Ob sich was ändern wird? Die bange Frage wurde vielerorts diskutiert. Die Antworten waren wenig optimistisch.

Anouk Holthuizen, reformiert.info, 14. Juni 2019