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Kirche

Nicht nur der Geschenke wegen

Inmitten des Erwachsenwerdens fällt die Konfirmation. Die Bestätigung der Taufe zu diesem Zeitpunkt fällt nicht allen gleich leicht. Andreas Schmidt entschied sich 1971, sich nicht konfirmieren zu lassen; Tanja Britt bestätigte die Taufe 2018. Warum?

Glaube ist ein Wachsen und Suchen. Die Konfirmation ist ein Zeichen dafür, dass die Jungen nach dem Unterricht nun mündig sind und ihren Glauben selber bestimmen. Im vergangenen Jahr entschieden sich im Kanton St. Gallen 810 junge Erwachsene, sich konfirmieren zu lassen. Davon waren es 160 im Kirchenbezirk St. Gallen, 294 Jugendliche im Kirchenbezirk Rheintal und 356 Mädchen und Knaben im Kirchenbezirk Toggenburg. Darunter war auch die Kengelbacherin Tanja Britt. Die angehende Malerin sagte 2018 ja zur Konfirmation. Es waren nicht die zur Aussicht stehenden Geschenke, die sie zu diesem Schritt bewogen. Tierarzt Andreas Schmidt, Sirnach, entschied sich 1971, sich nicht konfirmieren zu lassen. Er fühlte sich mit 16 Jahren nicht in der Lage, die Taufe bewusst zu bestätigen.

Sie haben sich bewusst entschieden, sich konfirmieren zu lassen resp. sich nicht konfirmieren zu lassen.
Andreas Schmidt: Ja, aber es war nicht einfach ein Entscheid gegen die Konfirmation. Schul- und Wohnort waren nicht dieselben. Zudem beanspruchten Gymnasium und Musikunterricht viel Zeit. Im Religionsunterricht an der Schule war bei mir und in der Klasse das Interesse an religiösen Fragen aber gross. Eine der Bedeutungen der Konfirmation war die bewusste Bestätigung der Taufe, verbunden mit dem Sprechen des Glaubensbekenntnisses. Ich nahm das ziemlich ernst und fühlte mich mit 16 Jahren dazu noch nicht in der Lage.
Tanja Britt: Mir bedeutet die Konfirmation etwas. Ich musste mir diese Frage nicht überlegen. Unsere Familie steht der Kirche nahe. Geld war nicht der Beweggrund. Der Unterricht war bereichernd. Dass nur den Credits nachgejagt werde, stimmt nicht. Vielmehr zeigte das Erlebnisprogramm, wo der Sinn der Konfirmation liegt und wie christlicher Glaube funktioniert. Eindruck machte mir der Besuch der «Blinden Kuh»: Er veranschaulichte, wie Behinderte leben.

Ist die Konfirmation zum falschen Zeitpunkt angesetzt?
Andreas Schmidt: Für mich war es irgendwie so. Als Übergangsritus ist mir der Zeitpunkt verständlich. Mein Zwillingsbruder liess sich konfirmieren. Er wollte nicht auf die Geschenke und auch nicht auf das Zusammensein mit der Gruppe (wir wohnten in einem Dorf) verzichten. Für ihn waren meine Glaubenszweifel weniger wichtig. Diese besprach ich auch mit einem holländischen Pfarrer. Die Bedeutung des griechischen Wortes «Glauben», das auch mit «Vertrauen» übersetzt werden kann, half mir damals. Glauben ist also auch der Versuch, den biblischen Texten zu vertrauen.
Tanja Britt: Der Zeitpunkt stimmte für mich. Ich steckte wegen Todesfällen in der Familie in der Krise. Das «Konf»-Jahr gab mir Halt. Ich nahm viel Gutes mit, auch dank der Gespräche mit Pfarrer Fabian Kuhn. Die Zeit mit der Gruppe – auch im Lager – war geprägt durch Solidarität. Ernsthaftigkeit und Lässiges hatten Raum; es war grandios, eine schöne Erfahrung. Soeben wurde mein Bruder und seine Klasse konfirmiert: mit Überzeugung. In meiner jetzigen Malerklasse taten es alle des Geldes und der Geschenke wegen.

Wie stehen Sie jetzt zur reformierten Kirche?
Andreas Schmidt: 
Ich bin nicht aus der Kirche ausgetreten, weil sie mir viel bedeutet. Trotz aller Kritik und Fehler ist es der Ort, an dem die Verkündigung eine Tradition hat, und wo auch versucht wird, das Leben so zu gestalten, dass Mitmenschlichkeit im Privaten und in der Gesellschaft Platz hat.
Tanja Britt:  Ich bin mit ihr verbunden – wie das Predigtprojekt zeigte – wenn auch etwas weniger intensiv, weil ich derzeit in der Malerlehre bin. Doch das Engagement als «Werchtigsunntigschuel»-Leiterin erfüllt mich weiterhin mit grosser Freude.

 

 

Text zusammengestellt: Katharina Meier | Foto: Rorschacher Konfirmandenklasse  – Kirchenbote SG, Juli-August 2019

 


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