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Religionen

Wo das Gebet zwitschert

23.09.2019
Sechs digitale religiöse Angebote unter der Lupe: Twitter-Andachten, Blogs, Sekten und sogar das Christchindli – im digitalen Basar tummelt sich manches religiöse Angebot. Der Kirchenbote hat sechs herausgepickt.

 

Diesseits

Soll die Kirche die Klappe halten? Gibt es einen Glauben ohne Antworten? Was hat der miese Service einer Fluggesellschaft mit den Seligpreisungen zu tun? Solchen Fragen geht www.dieseits.ch nach, ein Blog der Evangelisch-reformierten Kirche Zürich. Die Beiträge stammen von einer Reihe verschiedener Autoren, mehrheitlich von Theologen. Sie sind persönlich gehalten und werden
rege kommentiert. Reinlesen und mitdiskutieren lohnt sich.

«Wir liefern Fragen auf all deine Antworten.»
Dino & Stego

Bibleserver
Nüchtern und praktisch kommt www.bibleserver.com daher. Die Website löst ein, was der Name verspricht: Die Bibel in einer Vielzahl von Übersetzungen, zwischen denen man bequem hin und her wechseln kann. So lassen sich Übersetzungen leicht vergleichen. Für Sprachkundige sind auch die hebräischen und griechischen Grundtexte abrufbar. Neugierig, wo in der Bibel von «Bier» die Rede ist? Eine einfache Stichwortsuche liefert die Antwort.

Dino & Stego, Christchindli
«Dino & Stego» ist ein Audio-Podcast. Dahinter stecken «Dino», ein Videojournalist, und «Stego», ein Musiker. Sie gehen Themen des Glaubens und Zweifelns nach und stellen gängige Ansichten infrage. Dabei haben sie keine Berührungsängste. Ob Freikirchen-Pastor oder Sexualpädagogin, ob Muslim oder Freidenker, ob Politiker oder Uno-Sondergesandter – Dino & Stego lassen sie alle zu Wort kommen. In dieser Meinungsvielfalt und der frischen, unverblümten Art, Fragen zu stellen, liegen die Stärken des Podcasts. Verwandt damit ist Dinos Blog www.christchind.li, dessen Ziel es ist, Menschen unterschiedlicher Ansichten miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders empfohlen sei das halbstündige Hauptvideo.

Twittergebet
Unter den Hashtags #Twomplet (Twitter × Komplet) und #Twaudes (Twitter × Laudes) hat sich auf Twitter ein ökumenisches Abend- und Morgengebet zum Mitmachen etabliert. Mit einer Reihe von Tweets wird durch die kurze Andacht geleitet. Mitbetende posten Fürbitten, und weil man gleichzeitig im Gebet und auf Twitter ist, werden als besonders dringlich empfundene Bitten mit entsprechend vielen Retweets belohnt. Erfahrene Nutzer berichten von einem tollen Gemeinschaftsgefühl.

Relinfo
Nicht nur im Netz, auch in der realen Welt wimmelt es von religiösen und weltanschaulichen Angeboten. In diesem Dschungel bietet die evangelische Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen auf www.relinfo.ch verlässliche Informationen. Das übersichtlich gestaltete Online-Lexikon verfügt über mehrere Suchfunktionen. Auch Trends der Esoterik-Szene und kleinere, lokale Gruppen sind im Lexikon enthalten. Die Artikel sind fundiert, manche sehr ausführlich, andere ziemlich knapp.

From
Die App «From» bietet Denkanstösse zum christlichen Glauben – kurze Häppchen, unterteilt in acht Rubriken: Bild, Bibeltext, Psalm, Frage, Rückblende, Gebet, Impuls und Provokation. Manche Rubriken werden täglich erneuert, andere wöchentlich. Die Nutzer werden in die App einbezogen, können etwa Bilder oder Gebete einsenden.

Die Rubrik «Frage» behandelt ein Glaubensthema. Die App stellt eine mögliche Antwort zur Diskussion: Angemeldete Nutzerinnen und Nutzer können sie kommenterien. In der Rubrik «Provokation» trifft man auf eine Karikatur zum aktuellen Geschehen, verbunden mit einem theologischen Gedanken. Herausgegeben wird die App vom Reformierten Bund in Deutschland. 

 

Text: Stefan Degen | Bilder: christchind.li, Twitter  – Kirchenbote SG, Oktober 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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