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Leben & Glauben

Zerknittert, aber goldrichtig

23.09.2019
Auf der Suche nach dem Konfirmationsspruch schiessen einem diverse Gedanken durch den Kopf.

Der Ganterschwiler Enzo Fuschini scheute weder Aufwand noch Kraft, seinen Konfirmationsspruch «Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Jesus Christus» zu finden. Und er sei für ihn immer noch goldrichtig, sagt der Kirchgemeindepräsident, der von seiner Suche nach dem Vers erzählt.

«Es gibt erfreuliche, schöne, einfache, aber auch herausfordernde Anfragen. Die Bitte, ich solle doch etwas über meinen Konfirmationsspruch schreiben, war eigentlich deutlich mehr als herausfordernd. 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Konfirmationsspruch weder eingerahmt noch an einer der vielen Wände aufgehängt habe – ich wusste schlicht nicht, ob ich den Spruch finden würde.

54 Jahre sind ins Land gezogen
Wir wohnen in einem schönen und auch grossen Haus, in dem sich in den letzten Jahrzehnten so einiges angesammelt hat. Zudem sind nun 54 Jahre ins Land gezogen seit meiner Konfirmation. Falls der Spruch noch vorhanden sein sollte, wo war er verborgen? Beim Nachdenken kam mir in den Sinn, dass ich ihn vor nicht allzu langer Zeit gesehen hatte, beim Durchstöbern von – waren es Fotos oder Akten? 

Etwas Ausdauer kann sich lohnen.

In einer solchen Situation fragt man sich, warum man so viele Dinge als Andenken aufbewahrt hat. Nur – wäre ich restriktiver gewesen hinsichtlich des Aufräumens und Entsorgens, hätte möglicherweise der Konfirmationsspruch auch daran glauben müssen.
Wäre ich auf der anderen Seite mit dem Messie-Syndrom gesegnet, würde das Suchen zur Sisyphusarbeit und der Konfirmationsspruch von vornherein als verloren deklariert. 

Da also eine Chance bestand, fündig zu werden, machte ich mich auf die Suche, um dabei auf alte Diplome, viele Fotos, Briefe, Poster und anderes mehr aus früheren Zeiten zu stossen. Spannend, wie einem da die Vergangenheit einholt und fast schon um die Ohren fliegt.

Ausdauer lohnt sich

Etwas Ausdauer kann sich lohnen – nach geraumer Zeit hatte ich ihn gefunden, nicht mehr ganz so taufrisch wie einst, etwas verblasst, angerissen und ziemlich zerknittert. Ja, wir beide, das Bild (die Kreuzigungsszene mit Johannes dem Täufer vom Isenheimer Altar) mit dem Spruch sowie den Segenswünschen unseres Pfarrers Th. Dieterle und ich haben die vergangenen Jahrzehnte nicht ganz unbeschadet überstanden.

Der Spruch ist goldrichtig.

Ich erinnere mich wahrlich nicht mehr daran, ob ich bei der Auswahl des Spruchs ein Mitspracherecht hatte. Zweifellos war – und ist – der Spruch aber goldrichtig: «Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Jesus Christus.» (Phil 4,13) Damals befand ich mich kurz vor dem Eintritt in die Kantonsschule und dieser Spruch trug mich durch die Probezeit und die weiteren Jahre bis zur Maturität. Und jetzt hat mir der Spruch bestimmt geholfen, ihn wieder zu finden und mich über den treffenden Spruch zu freuen.»

 

Enzo Fuschinis Konfirmationsspruch

«Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Jesus Christus.»
Philipper 4,13

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 06.01 2020 09:42

Fragen an...

Fragen an Buddha, Fragen an Allah, Fragen an Gott, Fragen an Manitou, Fragen an Mohammed, Fragen an das Göttliche im Menschen: Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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